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Drey Reisen nach Italien : Erinnerungen / von C. F. v. Rumohr
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mich zum erſten Male nach Italien. JI hatte damals ſchon aufgehört mit völliger Unbefangenheit meinem eigenen Sinne nachzugehn, vermuthe daher, daß um Einiges früher dieſe Reiſe mir ein reine- res Vergnügen und mehr Belehrung dürfte gewährt haben. Mit Luſt erinnere ich mith der Unabhän- gigkeit des Gefühles und Urtheils, mit welcher ich, fünfzehn Jahre alt, in Söder zum erſten Male eine größere Zahl guter und vortrefflicher Gemälde durc<ſah. Ohne Zögern entſchied ich mich für die koſtbaren Ruisdaels dieſer Sammlung, ſtudirte ich eifrig den kleinen Coreggio, eine Madonna, ver- warf etwas höhniſch den ſogenannten Raphael und bezweifelte den Claude Lorrain. Zwar kannte ich dieſe Meiſter hiſtoriſch noch ganz und gar nicht z doch hatte ich von ihrem Werthe mir eine gewiſſe, freylich nur unbeſtimmte Vorſtellung gebildet, und entnahm ſchon aus dem Coreggio, daß jener Ra- phael ein ungleich neueres Bild ſeyn müſſe. Die übrigen Niederländer achtete ich, ohne von ihnen mich angezogen zu fühlen. Gegenwärtig ſehe ich ganz wohl ein, was bei dieſen mich kalt ließ. Die Virtuoſität im Techniſchen war ihr vorwaltendes