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liegen, beym Berühren oder Umſchütrteln einen pſeifenden Ton von ſich. Außer dem Waſſer dauern ſie über 24 Stunden; nur darf man ſie nicht in die Sonne legen, weil ſonſt das Waſſer, das ſie in die Mu-
ſchel eingezogen haben, und daſelbſt aufbe-
wahren, leicht vertrodnet, wobey ſie matt werden, oder gar ſterben. An feſte Maſſen 9doy Cörper darf man ſie auch nicht anwerfen, weil ſonſtihr mit Gewalt ausgedehnter.Cör- per zerplaßt, und das Schloß der Schaale zerbrochen wird,
Man kann auch dieſe Muſcheln, wenn mon ſie im Sommer oder im Frühjahre einſammlet, in Waſſerſtändern u, dgl. aufbewahren, wie ſolches wirilich erprobt iſt; nur muß man ihnen Sand, Schlamm und Sonne geben, damit ſie Nahrung und Wärme haben. Ohne Wärme neh- men ſie eher ab, als zu, kriechen wenig oder gar nicht heraus,- und ſcheinen ver- klommen zu fliegen. Bey großer Hiße, und wenn vas Waſſer warm iſt, liegen ſie mit dem kalben Leibe heraus; auch ſiebt man.oſt Streifen, wie ſie ſich auf dieſe Art ſortg-zogen haben. Es ſcheint, daß ſie im Schlamme eher und beſſer zunehmen, als im Sande. Des Frühjahrs ſind ſie weit magerer und härter, als im Sommer; folglich zum Einmachen und Eſſen nicht ſo gut, als gegen den Herbſt, ehe die Kälte eintritt.
Daß das Muſchelfleiſch eine mehr oder weniger verdauliche Speiſe ſey, auch ſo-
gar zur Delicateſſe werde, beruht auf der
Zubereitung und rechten Behandlung. Wie ſehr lieben ſie nicht die Seeſtädte und Seefahrer, die ſie ſchon mit Begierde aus dem abgefochten Salzwaſſer genießen; un- geachtet ſie ſolche auch auf verſchicdne Art foſtbar zubereiten. Die Chineſer legen ſolche ſogar gebraten in Del ein, und ma- <hen eine außerordentliche Delicateſſe dar« ausz daher ſie auch ſehr thouer bey ihnen ſind. Hr. W. ſchlus, wegen der verſchice denen Zubereitungsarten, einige Kochbuü- her auf, und erfundigte ſich beſonders bey einem Freunde, welcher lange in England,
"Schweden und Dänemark geweſen iſt, dar-
nach: ob unſre Muſcheln jenen gleich kü men, die man in der See findet? ob ſie zu genießen, und wie ſie zu behandeln wä-
ren? u.dgl.m, Dieſer fand, daß das
Aeußere jenen nichts nachgäbez; außer daß ſie nicht die Röthe hätten; daß ferner die hieſigen nicht die ganz kleine Art wären, welche ſich am häufigſten in der See fin- det, und die wir alle Jahre aus den See- ſtädten verſchreiben und verſpeiſen. Zum Beweiſe verſchluckte dieſer Freund nebſt ei» nigen andern ſogleich einige Muſcheln roh; ſie kochten dann auch eine Menge ab, und legten ſie in Cſſig« Endlich entdeckte dieſe Zubereitung dem Hn.W, ein Freund aus Ae- gypten, welcher 14 Jahre in den entfernte- ſten Welttheilen umhergereiſet iſt, vieleGat- tungen der Muſcheln kennt, ihreZubeceitung an mehrern Orten geſehen, auch ſie ſelbſt oft
zu-


