Erſter Abſchnitt. Vorbereitung zur oryktognoſtiſchen Mineralienkunde.
§. 6. Oryktognoſie(Kenntniß des Gegrabenen) iſt der beſchreibende Theil der Naturgeſchichte der Mineralien. In einer gewaͤhlten Kunſtſprache ſtellt ſie die Eigenſchaften und Beſchaffenheiten dieſer Naturkoͤrper zuſammen, und gebraucht dieſe zugleich als Erkennungsmerkmale, um eins von dem andern zu unterſcheiden— ſie heißt alſo auch mit Recht die Kennzeichenlehre. Da durch Zuſammenſtellung des Ver⸗ wandten die Ueberſicht des Ganzen und ſomit auch die Erken— nung des Einzelnen erleichtert wird, ſo iſt auch Syſtem— kunde ein Theil der Oryktognoſie.
§. 7. Mineralien ſind Naturkoͤrper eigenthuͤmlicher Art, es kommen ihnen beſondere Eigenſchaften und Beſchaffenheiten zu. Dieſe koͤnnen unter folgende 3 Hauptgeſichtspunkte gebracht werden: 1) Geſtalt, 2) phyſiſche Eigenſchaften, und 3) chemiſche Beſchaffenheiten. Was nach dieſen drei Ruͤckſich⸗ ten beigebracht werden muß, wird beſſer verſtanden werden, wenn man ſich vorher mit folgender Ueberſicht bekannt macht.
1) Geſtaltverhaͤltniſſe.
§. 8. Die Geſtalt der Mineralien kann als äußere und als innere betrachtet werden; die letztere wird allgemein Structur genannt.
Nach der aͤußeren Geſealt betrachtet, ſtellen ſie entwe⸗ der Koͤrper dar, welche von geraden, ebenen, 3, 4 und mehr⸗ ſeitigen Flaͤchen, die unter gewiſſen Winkeln zuſammenſtoßen, begrenzt werden, z. B. Saͤulen, Pyramiden, Tafeln, Wuͤrfel ꝛc.; ſie heißen Kryſtalle(d. h. in der Kaͤlte er— ſtarrte Koͤrper— ein bildlicher Ausdruck, von Eiszapfen her— geleitet), auch: regelmaͤßige aͤußere Geſtalten.
Oder: Sie haben eine zufaͤllige Aehnlichkeit mit gewiſ⸗ ſen, dem Mineralreiche fremdartigen Koͤrpern, z. B. mit Nie⸗


