Teil eines Werkes 
1 (1795) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 1
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die Weide, ſo läßt.man den Thieren ihren freyen Willen; muß man aber den Bullen anderswoher holen oder die Kuh dahin brin- .gen laſſen, wo der Bulle gehalten wird, ſo kann man etwa völlig. 12 Stunden ver- ſtreichen laſſen, Hierauf aber auch nicht länger mehr ſäumen. Die Bedeckung in der erſten Hike iſt gemeiniglich unfruchtbar, und. wenn die Zeit bald vorüber iſt, will die Kuh nicht mehr ſehen, und muß mit Gewalt gehalten werden, welches denn viel Mühe. mächt,

Es ſind einige Kühe, welche immer- fort rindern, und ſich von demBullen, ohngeachtet ſie trächtig ſind, noch ferner- hin beſpringen. laſſen. Dieſe Kühe muß man abſchaffen, weil ſie den Bullen, wenn ſie. Weidevie) ſind, nur abmatten, und ähn vom Freſſen abhalten. Man iſt auch mit dergleichen Kühen in beſtändiger Unge- wißheit, indem es doch nicht wenig daran gelegen iſt, die Zeit zu wiſſen, wenn die Kuh kalben wird.

Man hat es wohl an den meiſten Or- ten in ſeiner Willführ, wenn die noch nie zugelaſſenen jungen Kühe das erſtemal ſich mit dem Bullen paaren ſollen, da bey dem Weideviehe die Kälber vor ſich allein eine eigene Heerde ausmachen. An einigen Orten werden die jungen Rinder, wenn ſie

2 Jahr, an andern Orten aber erſt, wenn

ſie 3 Jahr alt ſind, zugelaſſen. Dieſes fömmt nun lediglich auf die Größe und Stärke des Körpers, welche auf das gute Futter oder die gute Weide der Thiere ſich gründet, an. Jſt das junge zugelaſſene Rind noch zu klein, und zu wenig ous8ge- wachſen, ſo muß die vor der Zeit trächtig gewordene junge Kuh verbutten 3 ſie leidet davon zeitlebens, und wird immer ein klei- es Thier bleiben. Wer daher große, ſtarfe, geſunde Kühe, nebſt einer eben ſo

Begattungst

guten Nachzucht von ſelbigen, haben will, der muß ſie in der Jugend bis zur rechten

Zeit hin vom Bullen zurückhalten, wenn

ſie auch. ſchon den Begattungstrieb zum öf- tern vor der Zeit äußern.

Soll eine Weidekuh im Sommer Milch geben, ſo wird ſie am beſten am Ende des Maymonaths begattet, weil alsdann das

Kalb mit dem Anfange des- Märzmonaths fällt, und ſchon zur Zucht mit. geringern

Kojken um Walpurgis oder ſpäterhin auf die Weide gehen kann. Hat man aber die Sceallfütterung bey ſich eingeführt, oder muß man aus Mangel guter Weide das Rindvieh im Stalle halten, ſo werden die Kühe gern zu einer ſo!Men Zeit zum Bul» len gelaſſen,-daß die Kälber alsdann fallen, wenn ſie am theuerſten bezahlt werden, falls man ſie nicht zur Nachzucht haben will. Gemeiniglich ſind die Kälber gegen das Pfingſtfeſt und nachher bey uns am theuer- ſien, Dder man richtet ſich mit dem Zu- laſſen der ſtierichten Kühe nach der Zeit, wenn man die meijte Milch zu eigenem Wer- brauch oder Verkauf haben will und muß. Wird eine Kuh nicht auf der Weide beſprungen, und man muß ſie im Winter auf dem Hofe oder als eine Stallkuhß von einem anderswoher herbeygeführten Bullen beſpringen laſſen,. ſo iſt es gar nicht nöthig, darauf zu warten, bis die Kuh etwa drey- mal beſprungen ſey. Es fann ſchen ge- nug feyn, wenn es nur einmal recht ges

ſchehen iſt; und dieſes wird daran erkannt,

wenn die Kuh, nachdem der Bulle abläßt,

ähren Schwanz nicht wie ſonſt, ſondern

etwas in die Höhe trägt, und eine Zeit lang mit einem höher gehaltenen Schwan-

ze umhergeht, Bleibet aber der Schwanz

der Kuh in ſeiner gewöhnichen Lage, ſo

iſt ſie roch nicht. ſo beſprungen wordcn, daß

ſie davon tragend geworden ſeyn könne. Bey