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kele Ahnung: denn man hatte zwar Chemie seit Jahrhunderten‘ getrieben, aber man trieb sie nur als Handwerk oder als geheime Kunst, nicht als einen Theil der Physik; auch hatten die Ärzte schon manches im Felde der organischen Physik entdeckt; aber auch sie sahen es nicht für einen Theil der Naturlehre an, sondern blofs als Hülfs- kenntnifls ihrer hülfsbedürftigen Kunst. Dem achtzehnten Jahrhundert war das Verdienst vor- behalten, jeden Theil der Naturkunde in seinem wahren Rang anzuerkennen, jeden derselben durch wichtige Entdeckungen zu erweitern, und so eine idealische Ansicht des Ganzen und aller Theile möglich zu machen. Um so auffallen- der ist es, dafs man in unsern besten physika- lischen Schriften nichts, als zufällig aufgefalste und nach keinem sichern Leitfaden geordnete Bemerkungen, über das Ganze der grofsen Wis- senschaft und ihrer Theile, überhaupt wenig scharf bestimmtes und befriedigendes findet. Noch auf- fallender aber ist die Erscheinung noch am An- fang des neunzehnten Jahrhunderts sogenannte Naturforscher zu sehen, welche von neuem dem Schattenbilde nachlaufen, das vor Baco fast zwey tausend Jahre lang den menschlichen Verstande geäfft hatte.
Ich hoffe, dafs diese vorläufigen Bemerkun- gen hinreichen werden, allen Mifsverständnissen in Ansehung des Ausdrucks, idealische Über- sicht der Naturkunde, vorzubeugen. Ich setze sie einer empirischen Übersicht entgegen.


