Von den wirthſchaftlichen Wahrheiten, welche ſowohl 0, 555 Daß die Schweine, ſo ſebr ſie auch an und vor ſich zur Unreinigkeit geneigt find,
und zum Theil von Koth leben. dennoch ein beſonderes reinliches und trocfenes Lager verlangen, und in deſſen Ermangelung fein rechtes Gedeihen von ihnen zu erwarten ſte- het, iſt einem jeden in wirthſchaftlichen Dingen geübten und erfahrnen zur Genüge bekannt.
Die Waldſtreue iſt aber nicht von der Beſchaffenheit, daß ſie den Schweinen ein. trocfenes Lager verſchaffen kann, indem die Pori der Tannennadeln zu enge und'zu ſehr verſchloſſen, als daß die Feuchtigkeiten, ſo die Schweine auf ihrem Lager von ſich
laſſen, darin einziehen könnten. Es wird daher auch nur ſelten ein gemeiner Bauersmann, wenn ihm
auch das
Stroß noch ſo knapp ſeyn ſollte, vor ſeine Schweinbuchten eine andere Einſtreue, als
die von Stroh, wählen.
Wäre in einer ſolchen Gegend, wo der gemeine Mann, und beſonders das Geſinde, zum häufigen Fleiſcheſſen gewohnet iſt, der Stroßmangel ſo groß, daß man anſtatt deſſelben die Waldſtreue wählen müßte, ſo würde ein ſolcher Antrag der Bauern
mehrere Rückſicht verdienen, indem dieſelben a
n dergleichen Orten, zur Speiſung für
ihr Geſinde eine Menge von Schweinen zu halten, in die Nothwendigfeit geſeßet ſind, wie ich ſolches bereits bey andern Gelegenheiten, beſonders erſt neuerlich in dem ſechsten Bande der Berliner Beyträge zur Zandwirtbſchaftswiſſenſchaft, Abhandlung. 38.
umſtändlich bemerket habe.
Allein, dem Himmel ſey Dank, daß in dieſen Gegenden das Rechen der Waſd-
Streue eine unbefannte Sache iſt, und man davon nichts weiß.
Dieſer Fluch haftet nur gemeiniglich auf ſolchen Gegenden, wo der gemeine Bauersmann das. Fleiſch mehr zu riechen, als zu eſſen bekommt, und folglich auch das Einſchlachten der Schweine gegen ven Winter weder überall gewöhnlich, noch nothwen- Dig iſt, und es muß ſchon ein reicher Bayer ſeyn, welcher an den Orten,. wo das Ge- finde nur alle hohe Feſttage mit Fleiſch geſpeiſet wird, ein Par Schweine einſchlachtet,
Es ift daher höchſt unwahrſcheinlich, daß er nicht für eine ſo geringe Anzahl von
dieſen Thieren das zur Einſtreue benöthigte Stroh übrig haben ſollte,
. Will man inzwiſchen die Bauern, welche ſich vielleicht auf die Obſervanz, und daß ſie bisher ihre Schweine beſtändig nzit Waldſtreue eingeſtreuet hätten, berufen wer-
Den, Hierunter völlig berubigen, fo
kann allenfalls einem Ganzbauer ein ganzes, einem
Halbbauer und Coſſaten aber ein balbes Fuder Streue für die Schweine überhaupt zu-
gebilliget werden,-
SG. 834« Wie viel einem Bauer nach den vor
zuzubilligen ſey, wird in einem Bepyſpiel näher erläutert. Wix wollen nunmehr, um das bisher'Vorgetragene durch ein Beyſpiel
bin angenommenen Sägen an Waldſtreue jährlich
zu erläu
tern, einen Bauer, deſſen Viehſtand in 4 Pferden, 12 Stüc Rindvieh und 32 Scha? fen beſtehet, und dem die benöthigte Streug aus dem herrſchaftlichen Walde für dieſen
ſeinen Biehſtand angewieſen werden ſoll, annehmen.
Aus den vorſtehenden hiebey zum Grunde gelegten Säken ergiebt ſich denn:
Aaga 2
3, Daß


