Von den bey Gränzſtreitigkeiten vorfallenden, theil816. 537
Sehr gut iſt es, wenn aus dieſem Grunde zu: dergleichen Gränzſtreitigkeits- Commiſſionen, Mitglieder desjenigen Collegii, welches darinn ein Urthel- abzufaſſen hat, ernannt worden ſind.| R;! NS
Dieſe können durch ihre mündliche Erläuterungen alle ſonſt entſtehende Zwei- fel, die öfters zu allerhand Inrerlocuten, auch wohl wiederholten Commiſſionen Gele- genheit geben, ſofort zu heben im Stande ſind.||
Trifft der Richter in den aufgenommenen Acten Wahrheiten, die ohne alle Zweifel ſind, und einen zureichenden Grund zu einem endlichen Augſpruch legen kön- nen, an, ſo werden ihm ſeine Einſichten. und Gewiſſen ſchon von ſelbſt das in der Sache abzufaſſende Erfenntniß au die Hand geben.'
. Findet er aber nichts als bloße Wahrſcheinlichfeiten, die vielleicht vor beyde Theile vorwalten, ſo bleibet ihm nichts übrig, als daß er die Grades derſelben wohl gegen einander abwiege, und ſeinen Ausſpruch darnach einrichte.+
6. 158.,> Inhalt des" Codex Fridericianus, nach welchen“der ſtreitige Sränzort, wenn die Sache vor keinen Theil recht klar iſt, nach dem Verhältniß der mehr oder weniger j vorwaltenden Preſumtionen, getheilet werden ſoll,
Daß dieſes nicht bloße wankende Erdichtungen- ſind, ſondern es ſchon vorhiäa Geſeße giebet, worinn den Richtern, in- dergleichen zweifelhäften Gränzſtreitigkeiten auf die vor einen jeden Theil vorwaltende mehrere oder wenigere Wahrſcheinlichkeit Rückſicht zu nehmen, vorgeſchrieben worden, erweiſet unter andern der bekannte Co- dex Fridericianns Marchicus, in welchem Part. IV. Tir. VIIL 8. 40. No. 7. folgendes feſtgeſeßet iſt:::: “Wann die Sache bey dem Cammergericht zur Relation Fommt, muß daſſelbe jederzeit Unſern in den Rechten und Billigkeit fundirte General- Re- gul vor Augen haben daß, wann nicht möglich die Gewißheit der Gränze auszufitzden y dieſelbe getheilet werden ſolle,; Es darf aber die Theilungz;“ weyn die Gränzen an verſchiedenen Orten ſtreitig, au einem aber klar erwieſen, oder wenigſtens ziemlich beſcheiniget ſeyn, nicht allezeit zu gleichen Theilen geſchehen. Sondern es muß die Thei- lung blos an denen Örten. geſchehen) wo beyde Theile entweder gar nichts erwieſen- oder wo beyder Beweiß gleich wichtig iſt.'!
- Es muß au eine vernünftige Proportion bey dieſer Theilung beobach- tet, und demjenigen,- welcher mehr Pr.eſumtiones vor ſich haxy auch ein gröſ- ſerer Theil bey der Theilung a//igniret werden,. 4
R FEEN<S.. 359 Warvm der Inhalt dieſes Seſetzes vollkommen gerecht und billig ſey- j Der Inhalt dieſes Geſeßes wird vielleicht manchen ſonderbar vorkommen, weil er der Auflöſung des nodi gordu ſehr ähnlich fiehet, Qecon. Forens. V1. Theil, Yyy- Alle


