Von den bey Verpachtung der Landgüter, theils aus der 2c. 439
Viele verpachten ihre Güter blos in der Abſicht, um dadurch zur Ruhe zu kom- men.. Wie ſehr ſie aber dieſen ihren Endzweck bey dergleichen zur Quaal der Menſchen gebohrnen Pächtern verfehlen, fällt aus dem Vorſtehenden von ſelbſt in die Augen.
WA Te Warum bey der Wahl eines Pächters anch mit darauf. ob er eine gute und tüchtige Wirtbinn' zur Ehegattin habe, zu ſehen ſey.
Eine jede Landwirthſchaft iſt, daß ich mich dieſes Sinnbildes bedienen darf, ein Baum, der einen. doppelten Hauptzweig hat.
Der eine beſtehet in der äuſſern Feldwirthſchaft, der andere aber in der landwirth- ſchaftlichen Haushaltung. Beyde ſind dergeſtallt mit einander verbunden, daß einer ohne den andern nicht beſtehen kann,
Die äuſſere“ Feldwirthſchaft iſt ein Werk des Pächters ſelber, und durch deſſen Fleiß wird hauptſächlich die Cinnahme beſorget.- Die zur landwirthſchaftlichen Haushal- tung gehörige Geſchäfte aber, ſtehen unter der Direction ſeiner Ehefray,- und dieſe hat es vornehmlich mit Einrichtung der nötchigen Ausgaben zu thun.
Hieraus folget von felbit, daß der Pächter nicht allein ſelber ein guter Wirth ſeyn, ſondern auch eine. eben ſo gute Wirthinn zur Ehefrau haben müſſe.
Fehlet es an der leztern, ſo wird niemahl eine ordentliche Wirchſchaft herausfom- inen, und am Ende das Gut ſelber, worinn die Geſchäft? der Frauen. ebenfalls einen groſ- ſen Einfluß haben, darunter leiden.)
Der Ehemann mag in ſeinenr Fache ſo emſig und fleißig ſeyn wie er will, ſo wird: er doch ohne den Beyſtand einey getreuen und geſchiten Ehegattin-niemahl auf einen grünen Zweig kommen, und zulezt auch bey der gelindeſten Pacht verarmen. Das Frauen- Departement iſt in der Landwirthſchaft um ſo gefährlicher, als ſie den größeſten Theil der Ausgaben in ihrer Gewalt haben. Wird nun hier nicht eine fluge und vernünftige Spar- ſamfeit beobachtet, ſo kann der gute Pächter öfters nicht ſo viel einnehmen, als die Fraw ausgiebet. Und was bleibet denn da für den Eigenthümer übrig? öfters nichts, als das leere Nachſehen.;
MET vs Warum ein Eigenthümer bep der Wahl uE Dall auch auf die Anzahl und Erziehungs- Art ſeinex Familie Rückſicht zu nehmen Urſache habe. Die Herren Pächter und Herren“ Geiſtlichen haben, in Anſehung ihrer Familien, gemeiniglich gleiches Schiſal. Sie pflegen bey beyden ſehr zahlreich zu ſeyn. Ueberhaupt kann man zwar dieſes, da viele Kinder ein Seegen des Herren find, nicht als eine Hinderniß anſehen. Nur zufälliger Weiſe wird ſolches durch die. Ärt der Erziehung, ſo der größeſte Theil unſrer heutigen Pächter ihren Kindern zu geben gewoh- net iſt, bedenklich. j Ich weiß mich noch von meiner Jugend her häufige Beyſpiele zu erinnern, daß die Söhne des Pächters bey dem Vater als Knechte dienten, und die Töchter die Arbeit der Mägde verrichteten. Man hörte dazumahl ſehr ſelten, daß: ein ſolcher Pächter nicht zu rechte gefommen wäre, vielmehr haben manche für ſich und ihre Kinder„ ohne das ihnen verpachtete Gut zu mißbrauchen, ein änſehnliches Vermögen zuſammengebracht. Bey einer ſolchen damahligen gewöhnlichen. Erziehungsart, war eine zahlreiche Familie ſo wenig eine Hinderniß bey den Güterpachten, daß ſolche vielmehr 78 : manche


