Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1776)
Entstehung
Seite
435
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Von den bey Verpachtung der Landgüter, theils aus der 1c. 435

gleichgültiger ſeyn, als ſie daſſelbe bey ihrer Lebensart und Müßiggange doch nur ſehr ſel- ten zu erhalten pflegen, ſondern ſolches gemeiniglich ein Raub der Gläubiger wird.

Denn Müßigfkeit und Verſchwendung können natürlicherweiſe nichts als Armurh nach ſich ziehen, und faſt immerdar ſind dieſelben mit einander vergeſchwiſtert.

3. 44:

Daß die Zeitpacht, je mehrere Gefahr und Schädlichkeit ſie bey ſich führet, auch deſto meh: rere Vorſichten, um ſelbige, ſo viel möglich, abzuwenden, zumahl ſie in unſern Tagen durch ein eingeriſſenes Vorurtheil auch außer der Lr7othwendigkeit faſt allgemein geworden, nöthig habe.

Wenn wir ſolhemnach die Fälle, wo bald die Adminiſtration, und bald die Zeit- Pacht rathſamer iſt, in den nächſt vorſtehenden 5. 5. umſtändlich gezeiget und ausgeinan- der geſeßet haben, ſo ergiebet ſich aus dieſem allen zugleich ſoviel, daß die Zeitpacht, ſo gefährlich und verhaßt ſie auch an ſich ſeyn mag, dennoch unter gewißen Umſtänden alle- mahlnothwendig bleibet, und aus dem Regiſter der bürgerlichen Handlungen nicht aus- geſtrichen werden kann. i

Ja, ſie iſt nicht allein in gewißen Fällen, wo keine beſſere Bewirthſchaftungsart Statt haben kann, nothwendig, ſondern ſie hat auch in unſern Tagen das Vorurtheil faſt 'der ganzen Welt vor ſich.:

Ein jeder glaubet', daß er mit ſeinem ländlichen Eigenthum nicht beſſer und ſiche- rer verfahren könne, als wenn er ſolches in die Hände eines Pächters übergiebet. Woe- nigſtens hoffet er dadurch von aller Unruhe und Beſchwertichkeit der Landwirthſchaft be- freyet zu ſeyn, und auf ein gewißes Einkommen zuverläßige Rechnung machen zu können.

Hiedurch werden ſelbſt eine großeMenge derjenigen, die feine gegründete Hin- derniſſo der eigenen Bewirthſchaftung wider ſich haben, ihre Güter zu verpachten bewo»- gen, und dadurch wirklich dem Staat, welcher durc< die Zeitverpachtungen der Privat- Landgüter wegen des damit verknüpften Ruins und zurücbleibenden Verbeſſerungen der- ſelben, ganz ungemein leidet, ein empfindlicher Verluſt zugezogen.!

; Dem ſey aber wie ihm wolle, ſo iſt gewiß daß die Zeitpachten nicht allein in ge- wißen Fällen nothwendig, ſoxdern-auch aus dem vorerwähnten Vorurtheil faſt durchge- :*hends gewöhnlich ſind. 2

Je ſchädlicher nun die Zeitpacht, wie aus'dem Vorhergehenden zur Gnüge erhel- let, ſeyn kann, und auh gemeiniglich zu ſeyn pfleget, deſtomehr erfordert es die zu allen menſchlichen Handlungen erforderliche Klugheit/ daß dabey alle nur-erſinnliche und mög- liche. Vorſicht gebrauchet werde.;

; Und dieſes ſoll nunmehr, da wir do< wohl: ſchen, daß die Zeitpacht der damit verbundenen mannigfaltigen Gefahr ohnerachtet nicht abgeſchaffet werden wird noch kaun, der fernere Gegenſtand unſerer gegenwärtigen: Abhandlung in dieſer Materie ſeyn.

; 5. 5 Daß die mehrere oder wenigere Schädlichkeit der Zeitpachten hauptſächlich auf die Perſon des Pächters und deſſen Eigenſchaften anfomme, weshalb ſolche feſtzuſetzen nöthig iſt.

Die Zeitpachten führen zwar, wie ſchon mehrmahl erinnert worden, den Haupt- 'Grund ihrer Schädlichfeit ſelber bey ſich. Jnzwiſchen kann doch dieſelbe durch die Eigen- ſchaften und Geſinnungen der Pächter ſelber, entweder gar ſehr vermehret, oder vermin- dert werden,.;

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