Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1776)
Entstehung
Seite
419
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Von den bey Verpachtung der Landgüter, theils aus der 16. 439

Dorfe gelegenen Acferden gewonnenen: Miſt mit, ſondern er ſuchet auch die abgelesenen und entfernten Stücfe damit zu bereichern, und ſie-dadurch in beſſere Umſtände zu ſeßen, Dur dieſe Vorſicht gelanget er- endlich dahin, daß das ganze Feld iu gleichen guten Ztg- ſtand kommt, und er überallreiche Früchte ſammlen und einernten kann,|

Wie aber iſt hierunter das gewöhnliche Betragen: der Zeitpächter beſchaffen?

Gomeiniglich.nimmt.man gerade das Gegentheil davon wahr.

Sie-ſüchen ſich nach dem Triebe ihres Eigennußens, die beſten und nächſtes A>erſtü>e aus, auf welche ſie; ohne:daß es die wirthſchaftliche Norhwendigfeit erfordert, Miſt auf. Miſt bringen um ſelbige alle-Jahre nußen, und die natürlichen Kräfte deſſelbett bis auf das Mark ausſaugen zu können: An die entlegene Aecker denken ſie faſt gar nicht. Sie-laſſen ſolche zwar; welches ein gar zu ſehr in die Augen ſallender und ſie zuleßt ſelber treffender Fehler ſeyt würde, nicht unbeackert liegen. Ihre Verbeſſerung durch Düngung aber iſt'ihnen eine unbefannte Sache./ Deun. da ſje-aus der Erfahrung wohl wiſſen, daß ein magerer Acker die erſte Düngung wenig fühlet, ſondern nur geringe Wirkungen da- von verſpühren läſſet, ſo iſt es ihrem Eigeunuß, weit gemäßer, daß ſie ſich bloß an diejeni« gen Aecker,"die ſchon von jeher in voller Düngang geweſen ſind, halten, und dieſe ſo oft, als nur der Vorrath des Miſtes verſtatten will 7 mit Düngung überfahren. Bringen ſie auch gleich'von-dem übrigen Miſt, der auf den fetten Aeckerin nicht. mehr Plaß hat, aus Noth etwas auf die entfernten und magere, ſo wird derſelbe doch gemeiniglich ſo bünne und'ſparſam geſchlägen,"daß-erhö<hſtens: nur:in den«-erſten zwey Jahren einige Wirkung chun fann, nachher aber weiter.nichts-davon zu. verſpühren iſt., Dieſes Dunneſchlagent des Miſtes üben: ſie,' beſonders-in den lebten Pachtjahren,- dergeſtalt ohne Ausnahme aus, daß auc) ſelbſt die fetten;Aecker nur gleichſam damit überſtreuet werden, welches die natürliche. Wirfung- hat, daß/man nach. geendigten.Pachtjahren wenig mehr davon wahrnehmen fann,«ſonder der. Cigenthümer;; wenn er das Gut wieder. zurücknimmt, ein durchgehends mageres und ausgeſogenes Feld bekommt,'

In. Anſehung des: Düngerfährens-in.den lebten Jahren haben ſie noch überdent allerhand verborgene, Kunſtgriffe,<h-ſie: dem Eigenthümer-den Genuß deſſelben, ſo viel möglich; vereiteln: Sie fahren. ihn nicht dahin, wo.es-die Ordnung und Acerark erfordert 7" ſondern bringen ihn. auf ſolche, Stellen,: wo. ſie. denſelben am ösfterſten nach- nüßen können.» Die Regelg:einer Flugen.und vernünftigen Wirthſchaft erfordern es, daß der Frühjahrs-Mit, und beſonders der Schafmiſt41. das. Winterfeld zu.-Weißen und Roggen Febvacht werde. Jn'dem vorleßten Jahre ihres Abzuges aber laßen die Zeitpächter ſolches,wohl bleiben;5* weil» ſie von dem künftigen Winterfelde keinen Abſchnitt ntehr ha- ben. Site fahren ihn vielniehr ins8geſammt in das disjährige Sommerfeld, damit ſie den- ſelben vor ihrem Abzuge noh wenigſtens. einmahl nußen können.

Wehe endlich demjenigen Landgute, auf welchem es die Gewohnheit eingeführet hat, daß die Erbſen, Wien. und andere vergleichen kleine Sommerfrüchte in die Brache geſäet werden! Dieſes giebet den Zeitpächtern eine vortreffliche Gelegenheit, den beſten Acker recht bis auf das-Mark auszuſaugen und ihn dabey'in die verworvenſte Umſtände zu ſezen. Denn daß das; Erbſen- und Wickenſaen, wenn.es in der Brache geſchiehet, den Acker ganz ungemein entkräfte, iſt. daraus offenbar, weil er theils gar keine Ruhe hat, ſondern gleichſam in einem Athem drey, Früchte hintereingndex bringen muß, und theils

Ggg 2 auch