418 Fünftes Hatptſrüek,
es genteiniglich die Frau Pächterin nicht zu. Die Pächter aber ſtehen eben ſowohl, wie alle andere Ehemänner, unter dem Pantoffel, yd ſie müſſen daher öfters wider ihr beſſer Wiſſen und Einſichten handeln,
Die Sache iſt, ſo lächerlich auch dieſes manchem vorkommen wird, ſchon bey der gegenwärtigen Weltverfaſſung nicht anders/ und es wird das vorhin Geſagte durch die tägliche Erfahrung in dem gemeinen Leben genugſam beſtätiget,;
Nun aber mache man nur einmahl nach dieſen angeführten wahrhaften Umſtänden einen Ueberſchläg, wie viel ein Pächter, der ſeine Pacht richtig entrichten, und auch da- bey mit den Seinigen Pacht- ſtandesmäßig leben will, dem Eigenthümer weniger, als der wahre Ertrag des Gutes ausmachet,' geben fönne.
Bey Pachten, die ſchon über x000 Rehlr. jährlich betragen, kann der gewöhn- liche Aufwand eines heutigen Pächters janz füglich auf 4 bis 500'Rhlr; gerechnet wer- den. Woher kommt aber dieſer anders, als aus den'Mitteln des'Eigenthümers, welcher mit ſo viel weniger Pachtgelde zufeieden ſeyn muß, ſolches aber, wenn er das Gut ſelber bewirthſchaftete, oder bewirthſchaften könnte, erſparen und in ſeinen Beutel ſtecken könnte.
So 12770! Geſchichte des gewöhnlichen Betragens der Zeitpächter,' beſonders in Anſehung des Ne>&erbaues.
; Jedoch-iſt dieſes nicht der einzige, auch nicht der hauptſächlichſte Grund, warum die Zeitpachten gemeiniglich mehr ſchädlich als nüßlich ſind, und weßhalb der Eigenthü- mer öfters, in Anſehung des Gutes ſelber, der größeſten Gefähr dabey ausgeſeßet iſt.
Um dieſe Gefahr und Schädlichfeit recht leshaft kenney zu lernen, iſt eine kurze Geſchichte des gewöhnlichen Betragens der meiſten Pächter voranzuſchien, und, wie iw in ie jeden Wirthſchaftsſtück von ihnen zu verfahren zu werden pfleget, zu bemer- en nöthig.- In Abſicht des AFerbaues, welcher faſt auf allen Landgütern die wichtigſte und einträglichſte Wirthſchaftsrubrik, und an deren unverrückien Erhaltung folglich dem Ei» genthümer am meiſten gelegen iſt, pflegen zwar die Zeitpächter, wie bereits 8. 7.-erinnevt worden, dem äußern Anſchein nach, keine Saumſeligkeit zu begehen, ſondern ſol<hen eben» falls mit aller möglichen Sorgfalt zu nußen ſuchen. Und wie wäre es auch ſonſt möglich, daß ſie bey ihrer Pacht beſtehen und zurechte kommen könnten, wenn ſie ein ſolches Haupt- ſtücf der Wirthſchaft-vernachläßigen wollten? Thun ſie gleich dieſes nicht aus Treue und Liebe gegen den Eigenthümer, ſo zwinget ſie doch die Nothwendigkeit und Erhaltung ih- rer eigenen Wohlfarth dazu. Allein man ſpühre nur ihrem Betragen hierunter mit eini- ger Aufmerkſamfeit nach, ſo wird man gar bald gewahr werden, daß ſie, wie bereits ebenfalls in dem vorbemeldeten 8. 7. vorläufig bemerfet worden, dabey nicht ſowohl den immer fortdauernden guten Zuſtand des AFerbaues, als nur vielmehr ihren gegenwärti» gen Nuten, zum Augenmerk haben.
Ein vernünftiger und rechtſchaffener Wirth ſorget für die Erhaltung des Acker- Baues auf dem ganzen Felde. Ihm iſt ein Aerſtück ſo lieb als das andere. Er thut daher auch beiden gleiche Güte, Ja, er träget für den ſchlechteſten und magerſten Aer die meiſte
Sorgfalt, weil ſolcher.derſelben am meiſten nöthig hat, Er theilet nicht bloß awer 5 orfe


