38| Drittes Hauptſtü>k,
In Fällen, wo die Gemeinheit mit fremden Feld- Nachbaren aufgehoben werden ſoll, iſt wohl nichts natürlicher, als daß der Kirc<hen- Patron, nebſt'dem Pfarrer die Vertretung der zu der Pfarre gohörigen Ae>er und Grundſtücke über ſich nehme, indem dieſer, vermöge ſeines Patronatrechts/ für die Unterhaltung der an der Kirche beſtellten Geiſtlichfeit Sorge tragen muß.
In ſolchen Gemeinheits- Fällen aber, die zwiſchet Obrigkeit und Unterthanen vorwalten, iſt es ganz begreiflich, daß der Kirchen-Patron, weil er gemeiniglich auch zugleich Obrigkeit des Dorfes, folglich als das Gegentheil des Predigers anzuſehen iſt, alsdenn dieſe Vertretung nicht über ſich nehmen könne, ſondern ſolche auf eine andere Weiſe bewerkſtelliget werden muß,
In den meiſten Ländern iſt die Einrichtung gemacht, daß die Umſtände der Sa- <e, vor Abſchlieſſung des Recelles, an die verordnete Conſiſtoria berichtet, oder wenig- ſtens der Neceß zur Confirmation an dieſelben eingeſandt werden muß(a).
Die Natur der Sache giebet es von ſelbſt, daß es mit den Kirchen-Aeckern und andern zu milden Stiftung gehörigen Grundſtücken eine gleiche Bewandniß habe, und dabey auf ebenmäßige Weiſe zu verfahren ſey.
Die erſte und eigentliche Vertretung wegen ſolcher Kirchen-Ae>er und milden Stiftungs- Güter kommt zwar den verordneten Vorſtehern, weshalb auch ſolche jederzeit
mit vorzuladen ſind, zu.- In allen Fällen aber, wo die Kirchen- Patronen nicht ſelber-
gegen die Kirche intereßiret ſind, kann ihnen die Direction dieſer Vertretung, vermöge ihres ihnen verliehenen Patronatrechtes, nicht benommen werden.+» (a) In den Königlichen Preußiſchen Landen iſt dieſerhaib an die dortige Conſiſtoria unterm 22. Ocko- ber 1779, ſolgende Verordnung ergangen:„Es iſt euch bekannt, was vor Veranlaſſung Wir „» Über. Aufhebung der gemeinſhaftlichen und vermengteit Hütungen, auch Vertheilung der ge- »„ meinſchaſtlichen Weide und Hutflecke, getroffen, und welchergeſtalt desfalls ein Edict unterm „ 21. October 1769 publiciret iſt, und cs wird faſt bey denen mehreſten Fällen wegen derer in „ Gemeinheit liegenden oder ſonſt au der gemeinſchaftlichen Weide Antheil habenden Prediger, »„ Küſiey, Kir<en oder anderer piorum Corporum Ländereyen' euer Beytritt erfordert werden.« „ Damit nun bey dieſer wichtigen Gelegenheif, eines Theils die Rechte derer Geiſtlichen Anſtal- »„ fen und Güter nicht hiaten angeſeßet, und andern Theils kein ſchädlicher Unſcrer allerhöchſien Perſon mißfälliger Aufenthalt in dieſem Geſchäfte verurſac<ßt werde; So haben Wir gaädigſt zu beſchlieſſen geruhet, daß ihr denen Patronis, Predigern, Verwaltern und Vorſiehern, oder »„ Inhabern derer Geiſtlichen Gründe und Anſtalten, ungeſäumet aufgeben ſollet, wo ſie bey vor- „ kommender Auseinanderſeßung Theil nehmen müſſen, davon ohne Anſtand an euch zu berichten, »„ worauf ihr alsdana ohne Zeitverluſt, ſolche dicnliche Maßregeln zu nehmen habt, daß der „ Geiſtlichen Güter Gerec<htſame zulänglich, jedoch“ ohne einen ungegründeten Widerſpruch dabey » zu begünſtigen, vertreten, und durch die an euch nöthige Anfragen die Partheyen, denen am »„ Scluß der Sache gelegen iſt, nicht aufgehalten werden, „ Eurer Einſicht bleibet überlaſſea, wie am zweckmäßigſten. und nach Erfordexniß der meh- »„ rentfheils eintretenden Nothwendigkeit, mit der beſtmöglichſien Erſparung der Koſten, die Rehe » te der Geiſtlichen Grundſüüe vertreten werden können, ob vermittelſt Auftrages an die Patro- » nen, Gerichts- Obrigfeiten, oder deren Juſtitiarios, Prediger, Vorſteher und Adminiſiratores »„ derer Geiſilichen Anſtalten und Grundſiäcke. Allenfalls und in Ermangelung anderer Gelegen- » heit, könnt ihr euch) auch an die Auseinanderſeßungs Commiſſarien'ſelbſt wenden, und mit ih- „ nen über die Entſchädigung der Geiſtlichen Güter euch vernehmen, weshalb ihr denn zur Nach- "richt Abſchrift der au die Laudes-Collegia, unter deren Divpeckion das Werk betrieben wird, » dato ergehenden Berordnutig, beygeſchloſſen empfanget. s 6,84


