Drittes Hauptſtück.
Es beſißen, um dieſes durch ein Beyſpiel deutlicher zu machen, zwey Na einen großen See, welchen ſie gemeinſchaftlich befiſchen, die gefangene<26 beer theilen, und auch die dazu erforderliche Koſten mit gleichen Schultern tragen, Dieſen See in zwey gleiche Theile zu theilen, und einem jeden der bisherigen Beſißer einen da- von zur privativen Benußung zuzuſchlagen, deshalb leget die Natur ſelber feine Hinder- niß in den Weg, ſondern es kann eine dergleichen Theilung, weun man nur allein hier: auf ſiehet, gar wöhl möglich gemacht werden. Allein, ziehet man dagegen in Erwäs gung, daß die meiſte Art von Fiſchen nicht an einem Orte des Waſſers ſtehen. bleiben, ſondern den ganzen See hindurch wechſeln, und ihren Gang nehmen, folglichynach ge» ſchehener Theilung durch öfteres Fiſchen, einer dem andern gar leicht die Nußtbarkeit ſei- nes an dieſem Waſſer habenden Aytheils ſhwächen und verkürzen könne 3. ziehet; man ferner in Erwägung, daß, anſtatt vorher bey der gemeinſchaftlichen Befſiſchung, nur Ein Neß und Ein Fiſcher zu dem ganzen See nöthig waren, nunmehr ein jeder Jntereſſent ſein eigenes Neß und Fiſcher halten:muß, folglich dadurch die Koſten, die bey großen Fis ſchereyen von Wichtigkeit find, und öfters den ganzen Ertrag des Gewäſſers vereiteln, verdoppelt werden; ſo ergiebet ſich daraus offenbar, dvß eine dergleichen Theilung, ob ſie zwar der Natur nach möglich iſt, dennoch, wegen der damit verfnüpften beſondern Umſtände, wie man es in der Philoſophiſchen Sprache zu nennen pfleget, moraliter yUys möglich ſey, 6. 38.
Daß ferner unterſuchet werden müſſe, ob auch die Gemeinheits- Aufhebung einen wahren trugen ſtiſte.
Stehet gleich der aufzuhebenden Gemeinheit feine, weder phyſikaliſche noch mo» raliſche Untheilbarfeit im Wege; ſo muß dennoch der Nußen, der aus einer ſolchen Ge- meinheits- Aufhebung zu erwarten ſtehet, auf das ſorgfältigſte geprüfet werden. Denn auf eine Sache, die gar keine Vortheile gewähren kann, Zeit und Koſten zu verſchwen= den, würde widerſinnig gehandelt ſeyn. Auch iſt in denen Ländern. wo die Aufhebung der Gemeinheiten durch Geſeke verordnet und befohlen worden, dabey ausdrücklich feſtge- ſeßet, daß nur allein diejenigen Gemeinheiten, von deren Aufhebung ein wahrer Nußen zu erwarten'ſtünde, in Bearbeitung genommen werden ſollen.
Giebet es aber, möchte man billig fragen, wirklich Gemeinheiten, in welchen die Auseinanderſezung gänzlich ohne Nußen iſt? Entſtehen daraus nicht wenigſtens für ei- zen Theil gewiſſe Vortheile, wenn ſich auch der andere keine davon verſprechen kann?
Der Fall ereignet ſich, ich geſtehe es gar gerne, nur ſelten, Inzwiſchen iſt.er nicht. ohne Beyſpiele, und daher deſſen bey gegenwärtiger Gelegenheit zu erwähnen, fei- nesweges überflüßig.
-Titius beſißet einen von ſeinem! Gute entfernten, und auf Meilen weit ſich erſtrek- kenden Wald, deſſen äußerſtes Ende er mit ſeinem Vieh nicht erreichen, noch das da- ſelbſt befindliche Gras auf andere Weiſe nußen kann. Auch iſt er dieſen entlegenen Ort ſeines Waldes ſo wenig zu einem Vorwerk abzubauen geneigt, als wenig der Boden dazu geſchickt iſt. Cajus hingegen beſißet auf dieſem entlegenen Theil des.dem Titius zugehö-
rigen Waldes mit ſeiner Dorfſchaft das Aufhütungsrecht, und entrichtet dafür dem Titius einen


