Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1776)
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen

Bon Aufhebung der Gemeinheiten, und in wie weit diet. 1x

ten, in dergleichen Gegenden ihr Augenmerk hauptſächlich auf dieſe Art von Gemeinhei- ten, weil ſie unter allen die ſchädlichſte iſt, richten mögen.

6, 16

Von der Schädlichkeit der Gemeinheiten zwiſchen Obrigkeit und Unterthanen, beſonders wegen der vermiſcht liegenden Aecker.;

Die Gemeinheiten zwiſchen Obrigkeit und Unterthanen ſind zwar wegen der Ord- nung, ſo die erſte durch ihr herrſchaftliches Anſehen in dem Gebrauch der gemeinſchaftli- <en Sache machen und unterhalten kann, weniger ſchädlich, da hingegen unter herrſchofeli- <en Dorf- Rachbaren, die in allem gleiches Recht und Anſehen haben, feiner des an- deri: Ordnungen reſpectiret, ſondern gemeiniglich dasjenige, was der eine befohlen und angeordnet hat, von dem andern, und wenn es auch noch ſo vernünftig und heilſam wäre, bloß aus Eigenſinn wiederſprochen zu werden pfleget.

Inzwiſchen bleibet doch auch unter dieſen Intereſſenten, die Gemeinheits- Auf- hebung, beſonders in Anſehung der Aecker und der Hütung, allemal nüßlich und noth- wendig, und e3 ſind ebenfalls Vortheile damit verfnüpfet, die nicht allein»das Beſte der Intereſſenten unwiderſprechlich befördern, ſondern auch im Ganzen dem Staate ſelber gar ſehr zu Nußen kommen.

Die Vermiſchung der Aeer ziehet nicht allein ohnzählige Unbequetnlichfeiten Kach ſich, ſondern ſie ſind auch, ſowohl bey Herrſchaften als Unterthanen, eine offenbare Hinderniß, das Niemand das Seinige gehörig gebrauchen, ſondern ſich immer einer nach'des andern Eigenſinn richten, und dadurch verſchiedener weſentlicher Vorcheile, die er ſich ſonſt ſtiften könnte, verluſtig gehen muß.

Der ſogenannte Hufenſchlag dienet zwar, ſo lange die Gemeinſchaft währet, zu einer gewiſſen Ordnung. Sonſt aber ſtiftet derſelbe in Anſehung des freyen Gebrauchs des Eigenthums vieles Unheil. DOefters könnte ein Beſißer ſeinen Acker ganz anders, und auf eine weit vortheilhaftere Weiſe, nußen. Da er aber in dem Hufenſchlag liegst, ſo muß er eben das, was die übrigen Nachbaren für gut befinden, vornehmen, und zu eben der Zeit, da dieſe zu ernten anfangen z"ſein Getreide, es mag reif ſeyn oder nicht, an die Seite zu ſchaffen ſuchen, wenn er nicht durch die unmittelbar auf der Ernte fol- gende Behütung mit dem Vieh allerley faſt unvermeidlichen Schaden ausgeſeßet ſeyn will, Mancher wäre im Stande, ſeine Aerſtüe durch und durch zu bedüngen und fett zu ma- <en. Allein die gemeine Heidlingsfahre hindert ihn daran. Denn da ihm ſolche gewiſſe beſtimmte Gränzen, wie weit er ſeinen Aer nur mit Sommerung beſäen darf, ſeßet, ſo muß er auch mit der Bemiſtung ſeines Akers, welche ihm nur bis an die Heidlingsfahre den-erforderlichen Nuten gewähren kann, weiter zu gehen einen billigen Anſtand nehmen.

9 Nöcthige und nüßliche Verbeſſerungen werden auch durch dieſe Art von Gemein- heiten gänzlich gehemmet, und iſt es gleich hie und da gemeinſchaftliche nyßbare Verän- derungen leichter, als unter herrſchaftlichen Dorf-Nachbaren, zu Stande zu bringen mög- lic), ſo gehet es doch in allen Stücken gemeiniglich ſehr ſchläfrig und langſam zu, und man vetſpüret überall den Mangel eiues uneingeſchränften Eigenthums Der gemeine Mann befonders wendet ſehr ſchwer an gemeinſchaftlichhen Sachen den gehörigen Fleiß an,

B 2 weil