Teil eines Werkes 
1: Uibersicht der europäischen veredelten Schafzucht. 1
Entstehung
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und feinwolligſten Widder zum Sprunge, daher dieſe für die meiſten aus den Leoneſer Heerden genommen wurden. Die Mutterſchafe überließ man ihrer Natur, und ſah bei den Lämmern nur ſtets darauf, Vollwolligkeit zu erzielen. Dazu kam noch, daß man in frühern Zeiten mehr auf eine feine, ſogenannte Kernwolle ſah, und dieſe wächſt auf kräſ- tigen Thieren, die, wie eben bemerkt, weniger ausarten,

Denn mehr ſind diejenigen, welche eine hochfeine und hoch-

ſanfte Wolle tragen, die jeht ſo beliebt iſt, dieſer Aus- artung unterworfen,

Daß aber auch die Mode, oder liebey möchte ich ſagen, die ſteigenden Foderungen an ein edles Product diejenigen Schäfereien herabgeſeßkt haben, die jenen Foderungen nicht nachkommen, iſt eben ſo gewiß. Vergleichen wir Wollmuſter der feinſten Sorten, wie ſie vor dreißig Jah- ren waren, mit denen, wie wir ſie jekt produciren, ſo tritt der Vorzug der leßteren augenſcheinlich hervor. Die höher geſtiegene Civiliſation verlangt jederzeit etwas Voll- kommneres. Dieſes iſt mit Kleidern, wie mit Kunſtwerken. Vergleicken wir dom Wollenmanufacte aus früherer Zeit mit denen aus der neuern, und wir werden einen in die Augen ſpringenden Unterſchied finden. Jene haben Dich- tigkeit und Dauer, dieſe Gefälligkeit und Zartheit fürs Auge und Gefühl. Was jene als rohes Product foderten, war etwas anderes, als was dieſe verlangen. Eine kernige, zwar feine, aber weniger zarte als derbe Wolle brauchte man damals, wogegen man jekt jene zurükſeßt, und die hochfeine und hochſanfte vorzieht. Daher kam es auch, daß man 3. B. vor 20 Jahren den Werth der ſächſiſchen Wolle