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Vierzigſter Brief,)
I< mache Sie in gegenwärtigem Briefe mit einem Landwirthe bekannt, der, obgleich an Jahren ſchon vor- gerüt, dennoch mit Jugendfeuer und jugendlicher Kraft dem Landbaue obliegt; der mit eben ſo viel Beſonnenz heit. als Scharfſinn ſein Fach' betreibt, und vermöge ſei- nes. Standpunktes durc< ſein Beiſpiel auf einen ziemlich bedeutenden Umkreis ſehr wohlthätig wirkt. Es iſt dies der Geheime Ober-Finanz- Rath von Prittwitz.
Schon beym Eintritt in den Hof von Caſimir, wo er ſeinen Wohnſitz hat, werden wir durc< Nettigkeit und Zweckmäßigkeit der Gebäude und ſämmtlicher Wirth- fchaftsanlagen auf die angenehmſte Weiſe überraſcht. Mehr aber noch als dieſes alles ſpricht uns die ausgezeich-
nete Humanität des Beſißers anz denn mit dev zuvor-
Fommendſten Gaſtfreundſchaft wird uns alles gezeigt,
und jedes Gelingen oder Mißlingen wirthſchaftlicher Un:
"“ternehmungen mitgetheilt. Unſre Neugierde wird zuerſt auf das eben aus dem Stalle kommende Rindvieh gelenkt. Einzig in ſeiner Art iſt es dadurch, daß es ſämmtlich ungehörnt iſtz ſelbſt die Bullen niht ausgenommen. Man glaubt auf einmal einen Stamm alter Rinder aus den deutſchen Waldungen vor ein paar tauſend Jahren vor ſich zu ſe- hen. Iſt es nun gleich nicht zu leugnen, daß dieſes un- gehörnte Vieh einen weniger guten AnbliF gewährt, als ſchön gehörntes, ſo reißt doh hier die Sonderbarkeit und macht den Anbli>F hö<hſt intereſſant. An den Seiten des, Kopfes, wo die Hörner ſtehen ſollen, ſind kleine Vertie- fungen, mit einer hornartigen Grundlage. Thiere, welche von gehörnten Kühen und ungehörnten Bullen


