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fremden Heerden kauft, die man vielleicht in der eigetieit weit beſſer hat, und wo man no<h dazu bei den fremden in Hinſicht der Reinheit der Race höchſt unſicher iſt.
Es ſind in dieſem Punkte ſehr viele Scaafzüchker durch Wollhändler irte geleitet worden, die ihnen den Rath gabett, nur ſo oft als möglich mit den Stähren zu wechſeln, und in jedem Fall lieber aus andern Heerden zu käufen, als Thiere von eigener Zuzucht zu wählen, Erſt dieſes Jahr äußerte einer dieſer Herren gegen mich/ daß fie ſrüherhin“eine weit ſchönere und vorzüglichere Wol- le in ſehr vielen Scäfereien gefunden hätten, als dies jebt der Fall ſei, und daß dies lediglich daher komme, weil man ſich jebt mehr, wie ehemals, der. eigenen Stäh- xe bediene«- Daß dieſe Meinung unrichtig ſei, bewies ich ihm damit, daß man grade in den vorzüglichſten Schäfe»- reien in frühern Zeiten meiſt ſelbſt gezogene oder doch wenig“ ſtens homogene Bz3>e aus andern Heerden gebraucht habe, weil in jenen Zeiten die Verſchiedenartigkeit der Heerden bei weitem nicht ſo groß war, als jebt, wo die Veredlung ſo all- gemein und auf ſo verſchiedene Weiſe betrieben wird; denn grade die mancherlei Miſchungen und Kreußungen, die man in neuern Zeiten in vielen Schäfereien mit Thieren aus ſehr verſchiedenen Heerden verſucht hat, haben manche Scuten zn Quantität und Qualität ſehr weſentlich verändert.
Nach dieſen Vorausſeßungen ließen ſich über die aufges worfene Frage ohngefähr folgende Regeln als Antwort geben?
Erſtens muß man bei dex Wahl der Bö>e auf Größe; Geſundheit und Fehlerloſigkeit des Körpers ſehen. Das in dieſer Hinſicht vollkommenſte Thier würde ich, wenn die zwei» te, gleich anzuführende Regel richtig befolgt iſt, ohne Bedene zen wählen, ohne NüFſicht, ob es von eigener Zuzucht oder aus einer fremden Heerde wäre.
Zweitens iſt die Art der Wolle, welche das Thier trägt; genau zu betrachten. Unter Art verſtehe ic) den Wuchs und die Bildung: ob man ſie nämlich zu der gedrängt wolligen und kurz geſtapelten, oder zu der mehr dünnwolligen. und langgeſtapelten zählen kann. Ferner ob ſie wegen Sanftheit oder Barſchheit mehr zur Escurial» oder zur Negretti- Art ges zählt werden müſſe. Richtige Anſicht und Beurtheilung des herrſchenden Wollſcharakters der ganzen Heerde zu welches
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