Teil eines Werkes 
1,Abt.2 (1822) Landwirthschaftliche Reise durch Schlesien. 1,Abt.2
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man die>e zu wählen hat, wird freilich dabei vorausges ſebt. Je genauer ein Thier nun dieſem herrſchenden Charak- ter zuſagt,- deſto eher iſt es zu wählen, ohne Rückſicht auf eigene Zuzu<t. Von zwei Thieren aber, die ganz gleich die gedachten Forderungen erfüllten, würde ich ohne alles Beden- fen das aus der fremden Heerde wählen, vorausgeſebt, daß ich in Hinſicht der Reinheit" der Race eben ſo ſicher, als bei dem ſelbſt gezogenen wäre; denn iſt auch die Gefahr wegen Paarung in nächſter Blutsverwandtſchaft nicht ſo groß, daß die-ganze Heerde dadurch ſhwächlicher wird, wie dies manche fürchten, ſo iſt die Auffriſchung des Blutes, um die Nachzucht Immer ſtark zu erhalten, wohl.nicht grade eine Chimäre. - Drittens iſt es rathſam, wenn man zwiſchen zwei Thieren zu wählen hat, die die angeführten beiden For- derungen faſt-ganz in gleichem Grade erfüllen, dasjenige zu wählen, von deſſen Reinheit des Blutes oder Aehtheit der Race man am ſicherſten iſt. Auch hier würde ich das ſelbſt ges zogene, wenn es mir dieſe Sicherheitmehr gewährte, dem frem- den vorziehen; ſo wie ich ohne alles Bedenken das fremde wählen würde, wenn es mir auch nur gleiche Sicherheit ge- währte.

Viertens kann e8 aber auch Heerden geben, die noc<h nicht hoch genug ſtehen, als daß man entſchieden gute>e ſich ſelbſt ziehen könnte. Dieſe dürfen dann ihre Wahl nur nach den angeführten Regeln bei dem Ankäufe leiten, hauptſächlich aber darauf ſehen, daß ſie, ſo viel als nur immer möglich, bei ein und derſelben Race bleiben, und nicht, wie es wohl auch geſchieht, ein Jahr aus dieſer, und das andre wieder aus einer andern, im Wollcharakter oft ganz verſchiedenen Heerde kauſen, Denn bei dieſer Verfahrungsart bekommen ſie eine Wolle, welche.die Wollhändler eine wilde nennen, und von der ſie glauben,- daß fie noch in den erſten Graden der Veredlung begriffen ſei Der Stapel und das ganze Vließ ſowohr, als die einzelnen Wollhaare ſind bei ſolcher Wolle verſchieden und ſie iſt nac< der Wäſche meiſt filzig und un- ſcheinlich. Auch in ungewaſchenem Zuſtande auf den Schaa- fen hat ſie nie den reinen Glanz einer entſchieden, guten Wol» le, Dies kommt hauptſächlich von der Ungleichheit dex Wollhqare unter einander her.