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Die Bemerkung, daß man fich in Schleſien noch lange vor keiner Uebervölkerung fürchten dürfe, leitet mich auf die Verhältniſſe des Geſindes und der Arbeiter bei dem Landbaue, Wenn man den Lohn und ganzen Stand des 'erſtern mit den in benachbarten Provinzen, 3. B. in Sach- ſen und der Mark Brandenburg vergleicht, ſo ſollte man freilich annehmen, daß in leßtern Provinzen eine weit ge? xingere Bevölkerung ſeyn müſſe, weil in dieſen das Ges ſinde ſich weit höher ſteht, als in Schleſien z aber dennoc< iſt wohl unbedingt anzunehmen, daß in jenen beiden Pro» vinzen die Bevölkerung verhältnißmäßig ſtärker ſey, als in dieſer. Wenn ich ſage, verhältnißmäßig, ſo meyne ich dieſelbe im Verhältniß zur Ertragsfähigkeit des Bo- dens. Der Unterſchied des verſchiedenen Standes des Ge- ſindes beruht aber ohngefähr auf folgendem:
Einmal iſt es nicht zu läugnen, daß die Maſſe der jähr? lich geleiſteten Arbeit eines Geſindes in Schleſien der von einem in den gedachten beiden Provinzen nicht ganz gleich kommt. Ein hergebrachter Schlendrian ver- hindert bei dem ſchleſiſchen Landvolke die Erwerbung der größern Fertigkeit, und eine gewiſſe gemüthliche Ruhe ſekt den größern Fleiß etwas herab. Wo aber die Maſſe der Arbeit nicht ſo groß iſt, da muß auch der Lohn gerin: ger ſeyn.
Ferner ſind die'tändlichen Producte in Sachſen und der Mark gewöhnlich in höherem Werthe; man känn alſo auch auf ihre Erzeugung eine größere Auslage verwenden. Bei erſterem Lande kommt dazu no< die Menge ſeiner Manufacturen und Fabriken, die eine große Menge arbei- tender Hände wegnehmen, mithin die Arbeit theurer machen.
Der gewöhnliche Geſindelohn iſt aber in Schleſien für einen Schaffer odex Schirrvogt 30-- 40 rtlr.z für einen


