- 314= Siebzehnter Brief.
Sie muntern mich auf, in der allgemeinen Ueberſicht der Landwirthſchaft von Schleſien fortzufahren. Gebe der Himmel, daß ich Ihnen nicht durch allzugroße Weitläuf- tigkeit Reue über dieſes Geſu abdringe.
Jch führe Ihnen nun zuerſt die verſchiedenen Servitute und Mißbräuche an, die hier ſo wie wohl überall, den Fort- ſchritten des Landbaues ſo verderblich im Wege ſtehen.
Eins der allerdrü>endſten aber iſt das gegenſeitige Hu- tungsſervitut. Ob dies gleich ſeit der Emanation des wohl- thätigen Edicts über die gegenſeitige Ausgleichung aller ſolcher Servitute hie und da ſchon aufgehoben iſt: ſo wird die allgemeine Abſchaffung deſſelben doch noch ſo manches Hinderniß zu beſeitigen haben, was in der Ferne kleiner ausſicht, ſich aber bei mehrerer Annäherung zu einem Rie- ſen vergrößert. Es gehört nicht in meinen Plan, mich Über die Leichtigkeit oder Schwierigkeit einer ſolchen Aus- gleichung weiter auszulaſſen. Jedoch iſt es nach meinem Ermeſſen Hauptbedingung bei einem ſolchen Geſchäfte, vor allen Dingen das Vertrauen beider Partheien zu ge- winnen. Leider fehlt man aber hierin häufig, und indem man ſich oft, um ſich die Sache doh einigermaßen zu er- leichtern, um das Vertrauen einer Parthei bemüht, macht man ſie beide mißtrauiſch. Iſt dies aber einmal, dann kann man mit göttlicher Weisheit alle Vortheile und Nach- theile erwägen, und keinem auch nur um eine Linie zu nahe treten wollen, und es iſt dennoch alles vergebliche Mühe. Nach meiner Meinung iſt aber die Gewinnung dieſes beiderſeitigen Vertrauens aus dem Grunde gar nicht ſchwierig, weil, wenn beide Theile die Sache aus dem rechten Geſichtspunkte betrachten, ihnen die Augen ſo- gleich darüber aufgehen müſſen, daß ſie beide durch die


