Die Lehre vom Dünger.
(232) 4; mus, der auch ſonſt Dammerde, Pflanzenerde, gute Erde u. ſ. w. genannt wurde; er liefert in Verbindung mit dem Waſſer und den in der Atmoſphäre enthaltenen, Stoffen die Hauptnahrung der Pflanzen.
Er macht immer einen Beſtandtheil desjenigen Bodens aus/ auf welchem ſich Pflanzenwachsthum äußert) und iſt daher faſt überall auf der„oberen Schicht unſerer Erde anzutreffen, oft wird er aber auch, noch in einer ziemlichen Tiefe gefunden. Der Hu- mus wird in völlig gebildeten, in noh nicht vollkommen-ausge- bildeten, in auflöslichen und unauflöslichen eingetheilt.
M Der aus Vegetabilien entſtandene Humus. ſcheint faſt nur als Nahrungsmittel für die Pflairzen zu wirken und. nur wenig zur Zetſehung noch unzerſeßter Stvffe und zur Lebensthätigteit der Pflanzen beyzutragen; der thieriſche Humus hingegen wirkt nährend nicht allein, ſondern befördert auch die Zerſezung des unauflöslichen Humus und reizt die Pflanzen zur größten Le- bensthätigkeit auf.
Der völlig gebildete und auflösliche Humus wirkt ſogleich als eine kräftige Pflanzennahrung 3 der noch unausgebildete geht erſt nach und nach in jene über; und der unauflvosliche muß exſt auflvslich werden, bevor er zur Pflanzennahrung geſchickt iſt.
Wenn er mit Einwirkung einer zu große Menge Wäſſer gebildet wird, ſo zeigt er eine ſaure Beſchaffenheit. Solcher ſaurer Humus' iſt unfruchtbar und oft ſogar der Vegetation ſchädlich.. Er verliert aber nach und nach dieſe Eigenſchaften, wenn er durch Auflo>ern und Wenden von allen Seiten der At- moſphäre ausgeſezt wird; auch Kalk und Holzaſche und animäa= liſche Subſtanzen,„mit ihm vermengt, machen ihn nach und nach auflöslich. Der mit weniger Feuchtigkeit unter günſtigen Umſtänden durch vollkommene Fäulniß und Verweſung entſtande- ne Humus hingegen hat keine Säure, und iſt daher auflöslicher und fruchtbarer, als zener ſauere.:
Noc< nachdem der Humus gebildet iſt, iſt er noch Veränz derungen unterworfen, Aus der Luft zieht er Sauerſtoſf an und läßt dafür kohlenſaures Gas entweichen, was den ihm nahen Pflanzen als Nahrung zu Gute kommt. Wenn blätterreiche Pflanzen den Boden dicht, bedecken, ſo verhindern ſie das Ver- flüchtigen des kohlenſauren Gaſes, was aus dem Humus entwi- Felt wird. Dieſe Pflanzen ziehen es zum Theil durch Wurzeln und Blätter an ſich und mit einem andern Theile wird die Acker= frume geſchwängert, die dann um ſo geſchickter für die nachfol- gende. Frucht wird, indem ſie nicht allein reich an Pflanzennah- rung, ſondern auch durch das eingeſogene Gas mürbe gemacht worden iſt, was beſonders nach üppig und dicht beſtandenen Erbſen und Wicken deutlich ſichtbat iſt.
Dann wird auch aus dem Humus die im Waſſer anflösliche Subſtanz, welche man Extractivſtoff nennt, gebildet, die, mit Waſſer verdünnt, von"den Pflanzenwurzeln als Nahrung eingezvgen wird.
Liegt Humus tief, unter Erde oder unter Waſſer, ſo daß er der Einwirkung der Luft nicht ausgeſett iſt, ſo verkohlt er gleich:
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