Oekonomie. (604);
ger, als derjenige, welcher den Pflug führt, Männer mit Kennt:
niſſen und Anſprüchen an höheren Lebensgenuß ausgerüſtet, ha-
ben ſich erſt ſeit 50 Jahren mit dem Ackerbau beſchäftigt, Seit-
dem iſt dieſes Gewerbe zu einer Wiſſenſchaft erhoben worden.'
Wenn die Grundſäße derſelben noch zu unbeſtimmt und ſchwan- Fend ſind, ſo muß man es dem Umſtande zuſchreiben, daß dieß älteſte der Gewerbe in wiſſenſchaftlicher Hinſicht noch ſehr ju- gendlich iſt.|
- Leider giebt es in der jetzigen Zeit noch Finſterlinge, die den Ac>&bau ein heiliges Amt nennen, und ſo gern es zur Staats- und Gewiſſensſache machen möchten, den Ackerbau nur von der Seite zu betrachten, wie ihn die Feudal- Verfaſſung des Mit- telalters darſtellt, und wovon die meiſten nördlichen Länder in Europa noch ein anſchauliches Bild liefern. Der Aerbau in dieſem Sinne iſt nur ein Mittei,"die Arbeit der zu einem Gute gehörigen Leibeignen zu verwerthen. Da nun der Eigennuß die meiſten Menſchen beherrſcht, ſo iſt unvermeidlich, daß der Be- ſüßer eines Landguts nicht ſollte die möglichſt höchſte Benutzung der ihm zu Gebote, ſtehenden Arbeitskräfte zu verlangen ſuchen. Dieß führt zu Bedrücekungen der Arbeiter und macht ſie ſtumpf- ſinnig. Der Bauer, welcher durch die beſte Ausrichtung ſeiner Geſchäfte nichts weiter erlangt, als ohne Strafe davon zu fom-= men, hat nicht den geringſten Sporn, ſich anzuſtrengen und darauf zu ſinnen, wie er etwas beſſer mache. Daher die allge= meine Klage der Güterbeſizer in den Ländern, wo der Ackerbau nur durch Dienſtbauern betrieben wird, daß ſich mit dieſen Leu- ten nichts augrichten läßt, wenn nun der Wunſch zu Berbeſſerun=- gen erwacht..
Der Ackerbau im Geiſte des vernünftigen Gewerbsbetriebes befördert die Ausbildung der urſprünglichen Anlagen der Men- ſchen. Er macht, daß ſich der Reiche dem Armen liebreich nähert und ſo beide beſſere Menſchen werden. Der Reiche wird beſſer, indem er die Erfahrung macht, daß er der Kräfte und Geſchi>: lichkeiten des armen Arbeiters zur Erreichung ſeiner Abſichten be- darf. und dieſen deßhalb achten muß. Der Arme dagegen wird mit ſeinem Looſe zufriedener ſeyn, da ihm in der freyen Benutung ſeiner Thätigkeit die Mittel gegeben ſind, ſich ſein Schickſal zu verbeſſern. Er wird ſeinen reichern Mitmenſchen nicht ſo leicht wegen ſeines Reichthums beneiden, indem er deſſen Sorgen in Verwaltung ſeines Vermögens kennen lernt. Beide, der Reiche, wie der Arme, werden durch das wechſelſeitige Bedürf- niß leichter Verbindungen eingehen, wodurch ſie ſich unterſtüßen, als es bey dem Dienſtverhältniß der. Fall ſeyn kann/ wo keinem von beiden die Freyheit gelaſſen iſt.
Jener unfreywillige Betrieb der Landwirthſchaft iſt es nicht, dem wir unſere Aufmerkſamkeit ſchenken. Nur die freye Ver- bindung und Zuſämmenſtellung derjenigen Objecte, die zum Weſen dieſes Gewerbes gehören, ſoll hier gelehrt werden,
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