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Der Bauernstand politisch betrachtet : mit einer Beilage / Ernst Moritz Arndt
Entstehung
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tenten.

ben und vergehen. Wenn wir nur erſt als Bürger mit einander ſtehen, ſtreben und wirkenz wenn jeder fühlt, daß er zum Ganzen gehört, und daß das Ganze in ihm iſt== dann wird auch menſch2- lich und bürgerlich gerungen verden, und die Tuz gend und Einfalt, der Ernſt und die Treue, die Verleugnung und. die Frömmigkeit unſerer Väter werden die Zierlichkeit, Eitelkeit, Flatterhaftigkeit, und Selbſtſucht verdrängen, woran wir ſiechten und wofür wir ſo ſcharf'gezüchtigt worden ſind. Dann wird unſer Gemüth dankbar zurü&dli>en zu den Tügenden und Verdienſten der Vergangenheit, es wird ſorgend hinblien zu den Arbeiten und Ge2 burten der Zukunft, der ganze Menſch aber mit Leib und Seele wird feſt, tüchtig und ſtolz wirken in der Gegenwart. Wenn dieſes ernſte, hohe, wirks liche Leben die Männer ergreift, ſo werden die alten Sitten und Weiſen, das, was wir als die verlorne Treue, Einfalt und- Kraft unſerer Väter betrauern, von ſelbſt wieder kommen, wenn die germaniſche Erde und die germaniſc<en Menſchen nicht durch eine bdſe Zauberei des Zeitalters vdllig verwandelt ſind. Dieſe Männer und Bürger haben etwas Anz deres zu thun, als windbeuteliſch, zierlich und äſthe» tiſq) von Vergnügen zu Vergnügen, von Geplapx per zu Geplapper, von Pußtiſch zu Pußtiſch zu flattern, Neuheiten zu ſchwäßeln, ſich zu Neuheiten' zu machen, und Jungfrauen zu' beſchmißen und Weiber zu verderben, Dann tritt die Erziehung wieder in ihre Würde, die Ehe wieder in ihre Hei- ligfeit: die Knaben ſollen ja Männer werden, die Weiber ſollen ja Helden gebähren. Dann, wenn der Bürger und der Bürgername das Hd<hſte und Stolzeſte iſt, wird jeder große und herrliche Menſch, jeder Held, Künſtler, Erfinder, Seher ein Ahnherr des ganzen Volkes, dann wird der Gottesdienſt ein Feſt, das Vergnügen eine Freude, die Citelkeit