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Claude Louis Berthollet über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie / aus dem Französischen übersetzt mit Anmerkungen Zusätzen und einer synthetischen Darstellung von Berthollets Theorie von Ernst Gottfried Fischer, Professor der Mathematik und Physik an dem Berlinisch-Cöllnischen Gymnasium und Ehren-Mitglied der naturforschenden Gesellschaft zu Berlin
Entstehung
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$..71.,Sattigung. 321

72. Berthollet ‚braucht.das ‚Wort Sättigung in einem andern Sinn. Der Begriff den er ihm unter- legt ist. klar,.äufserst bestimint, und für die Theorie von. ‚grolser Wichtigkeit. Es würde daher Eigensinn seyn, wenn.man sich gegen eine solche Berichti-

gung. sträuben wollte.

73. Wenn zwei,.drei, oder mehrere Stoffe auf: einander wirken, so dauert die Wirkung in keinem Fall ohne Ende fort, sondern es triti ein Zeitpunkt ein, wo alles, was unter diesen Umständen gewirkt werden konnte, vollendet ist, wo also keine weitern Zersetungen, oder Zusammensetzungen vorgehn, son- dern. alles in dem Zustand bleibt zu welchem es Be langt ist. Diels ist der Zustand, welchen Beriliollet

den Zustand der Sättigüng heunt:

In diesem Sinn istalso Sättigung nichts weniger; als ein absoluter und unveränderlicher Zustand, son= dern er hängt von den ganz individuellen Umstän= den, Verhälmifsen und Kräfıen ab; die bei einer Operation wirksanı sind, und ändert sich, sobald sich diese ändern;: Man sieht, wie weit sich dieser Be= gift von dem bisherigen Gebrauch des Wortes ent:

fernt.

54; Sättigung ist also in der Chemie etwas ähn® liches, als Gleichgewicht in der Mechanik, Doch unterscheiden sie sich dädureh, dafs das Gleichge- wicht eine völlige Gleichheit der einander entgegen; wirkenlen Kiäfte erfordert, da hingegen Sättigung auch zwischen den ungleichsten Kräften ge: B; 1000

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