4 Allgemeine Gesichtspunkte.
exorbitanten Preisen minderwertige Futter- oder Düngemittel, sowie Sämeveien anzuhängen, dort verführt er einen anderen, mehr davon anzuschaffen, als er bezahlen kann, um schließlich mit Wucher- zinsen die Sc<uld eintreiben zu können. Ein andermal sehen wir ven Warenwucherer den Landmann zum Tausche verführen, indem ihm für Butter, Eier, Getreide 2c. Flitterkram für die Frau und andere Luxusartikel, oder gar abscheulicher, fuselhaltiger Branntwein aufgeschwatzt werden.=- Das Unwesen im Viehgeschäft, wo es in ven Händen gewisser Händler liegt, wie das besonders in einzelnen Teilen von Mittel- und Süddeutschland der Fall ist, erscheint als der schwerste Warenwucher, der Überhaupt denkbar ist; er artet schließlich in eine Art Sklaventum aus, in welchem die armen Opfer allmählich verbluten.
Doch genug vorerst von diesen finsteren, traurigen Bildern, welche den ganzen Widerwillen jedes Volksfreundes hervorrufen müssen!
Auch im Verkaufs-Geschäft zieht der Landmann vielfach den kürzeren Teil, weil ihm die Findigkeit der Käufer fehlt, oder weil seine Abnehmer von Mastvieh, Getreide 2c. einen Ring bilden, welcher die Preise nach Gutdünken normiert und den zu durchbrechen der einzelne Verkäufer zu ohnmächtig ist.
Daher, es sei noc< einmal ausdrüclich gesagt, erscheint es durchaus notwendig, daß, wo der Einzelne bei dem An- oder Verkauf der landwirtschaftlichen Verbrauchsstoffe bezw. Erzeugnisse sein Recht nicht erhält, daß da die Genossenschaft eintreten muß, um den Segen vereinter Kraft zu bringen. Er wird nicht aus- bleiben, wenn guter Wille und Überzeugungstreue Einzelner die Sache fördern und tragen.
Meine Erfahrung hat mir stets gelehrt, daß gut geleitete An- und Verkaufs-Vereine nicht allein den Mitgliedern direkte materielle Vorteile brachten, sondern, daß sie das Geschäft des be- treffenden Bezirkes regulierten, die Quft von allen Dünsten des betrügerischen Zwischenhandels reinigten und die Preise auf einen gesunden, normalen Stand brachten. In dieser Beziehung geht ihre


