Druckschrift 
Auszug aus den Protokollen des Leipziger Woll-Convent's im Jahre 1823 :
(gedrucktes Manuskript für die Herren Mitglieder und Theilnehmer desselben)
Entstehung
Seite
XXVII
Einzelbild herunterladen

ſeres Vließ als andere gehabt hätten, ſo daß eine ſehr ſtarke Schur erwartet worden wäre. Das Wiegen der Vließe habe na; der Schur aber gezeigt, daß ſie ein bedeutend geringeres Gewicht gegeben, als die nicht mit Heu, ſondern mit anderem Futter genährten. Schaafe.

Ueber die unnachtheilige Wirkung der Kar- toffelfütterung bezog ſic) Herr Thaer auf die Beurtheilung ſeiner Wolle, welche dem großten Theile der Herren Wollhändler von den Berli- ner Märkten her bekannt ſey; er habe ſchon ſeit ac<t Jahren die Hauptnahrung ſeiner Schaafe in rohen Kartoffeln, zwar mit vielem Stroh, aber ſehr wenigem Heu, beſtehen laſſen, und leßteres in manchen Jahren nur den ſäugenden Müttern gegeben. Zugleich berief er ſich auf die Wolle ſeines Nachbarn, des Herrn B. von E Fartſtein, der ſeine ſämmtlichen Schäfereien auf Kartoffeln geſtellt, und ganz beſonders jeßt die Fütterung des Tranks von Kartoffelbrannt- wein, ohne irgend einen Nachtheil zu bemerken, betriebe. Herr von Raumer bekräftigte die Meinung von dem Vortheil der Kartoffel- Fütte- rung no< durch die Erklärung, daß er früher ſelbſt ein eifriger Gegner derſelben geweſen ſey, und alle ſchlechten Wolleigenſchaften nur auf ſie geſchoben habe; er ſey jeßt aber ganz von ihrer Unſchädlichkeit überzeugt, beſonders wenn man ein richtiges Mengungsverhältniß mit troFenem Futter beobachte. Herr B, von Rohtkird er- wähnte noch, daß mehrere Fabrikanten und Wollhändler in Schleſien öffentlic) geäußert hät- ten, die Karkoffeln wirkten nicht nachtheilig auf die Wolle. Jeßt auc ganz derſelben Meinung zu ſeyn, erklärte Herr Trinius und mehrere der andern Herren Wollhändler,

In Betreff der Oelkuch en-Fükterung be-

25=

merkte Herr B, von Rothkir<, daß ſie ei- nen nachtheiligen Schweiß hervorbrächten. Herr S< weißer rieth, ſie lieber troFen in Mehl- form zu geben, weil die Thiere darnach nicht ſo ſtark ſchwißten, als nach) dem Oelkuchentrank, Ueber die Würkung des Kleeheues äu- ßerte Herr von Brüne>X, daß es ſeiner Er- fahrung noch vortheilhafter ſey, daſſelbe mit Wieſenheugemengt, als allein zu geben, woge- gen Herr Schweizer bemerkte, daß das Klee- heu vermöge ſeines größern Volumens bei glei- <em Gewicht in ſeiner Nahrungsfähigkeit ſehr täuſche, und daß man zur Erreichung eines glei- <en Zweds ein grbßere8 Volumen an Kleeheu als an Wieſenheu reichen müſſe, worin ihm Herr von Raumer auch vollkommen beiſtimmte,. Der Präſident erwähnte, daß man dem Klee- heu Schuld gegeben habe, es brächte bei den älteren Schaafen die Anthrax- Krankheit, bei den Lämmern die Lähme hervor; er habe aber bis jeßt noc< keine dafür ſprechende. Erfahrung gemacht, Herr von Reden führte eine Schä- ferei an, welche, ohne Kleeheu zu futtern, ſehr häufig an der Lähme leide, dagegen wiſſe er in ſeiner eignen Heerde, welche ſehr viel Kleeheu erhalte, nichts von dieſer Krankheit. Herr Shul- ße fügte noh hinzu, daß ſeine Lämmer nur in einem Jahre die Lähme bekommen hätten, und zwar gerade in dem, wo er wegen Mißwachſes Fein Kleeheu, ſondern Körner gefuttert habe. Ueber die nachtheilige Wirkung des Hor- denſchlages fanden ſich feine beſondere Mit- theilungen, nur Herr Köhler äußerte die Mei- nung? wenn die rauhe Witterung die Spißen der Wolle verdürbe, ſo glaube er, müſſe es auch bei dem Horden der Fall ſeyn, um ſo mehr, da das Liegen der Schaafe auf dem feuchten Bo- den noch hinzukäme. 4