ſehr zweifelhaft machten. Er kenne Beiſpiele, wo Verſetzungen der Heerden in hd<ſt verſchie- dene Gegenden geſchehen-ſeyen, aber alle Abän- derung in der Haltung und im Stamme ſorgfäl- tig vermieden worden, und wo ſic) dann die Wolle völlig gleich geblieben ſey. Herr Lüder in Herzberg habe vom Harzgebirge herab eine Heerde auf ſein Gut an der Küſte der Oſtſee verſeßt, und die Wolle, welche er vom letzteren Orte zurückkommen laſſen, um ſie mik ſeiner Bergwolle zugleich zu verkaufen, ſey ganz gleich= artig geblieben. Bei den in der Qualität der Wolle ſehr verſchiedenen Stämmen, welche im Jahre 1815 in den ausgezeichnetſten Schäfereien bei Paris angekauft worden, deren jeder Anfangs aber ganz abgeſondert erhalten ward, habe ſich die Eigenthümlichkeit der Wollqualität gleich ge- halten, ohnerachtet ein Theil mancher Stämme auf die ſandige Höhe, ein anderer Theil in die Oderniederung verſeßt worden, Die größere An- zahl der Herren Wollhändler erklärte ſich hierge- gen, und führte beſonders an, daß die Wolle in Schleſien ſich faſt von Jahr zu Jahr verbeſſere, in Bdhmen aber verſchlechtere, ungeachtet man auch in leßteres Land den ſächſiſhen Stamm häufig verpflanze- Der Graf Wrbna hole un- ter andern noch jeßt alljährlich Vieh aus Sachſen und erreiche keinen höhern Feinheitsgrad. Auch in Mähren verſchlehtere ſich die Wolle. Herr von Raumer meinte, es laſſe ſich dieſes viel- leicht dadurch-erklären, daß man in verſchiedez nen Ländern verſchiedene Zielpunkte habe, die man durch Auswahl der Zuchtthiere zu erreichen ſuche. In Mähren habe man auf Dicht- und Reichwolligkeit und ſtarke Bewachſenheit beſon- ders RüFſicht genommen, in Schleſien dagegen in dem größeren Theile der Schäfereien auf Fein- heit und Sanftheit, Herr Thaer fügte hinzu,
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es gebe in Schleſien auch andere Scäfereien, wo man bisher einen anderen Zielpunkt feſige- ſtellt; z. B. die Gräflich) Magnisſchen, Haugwiß- ſchen und Kalkreutſchen Schäöfereien, wo eine'be- ſondere Stärke der Thiere und Reichwolligkeit, aber kein höherer Grad der Feinheit und Sanft- heit erreicht ſey, Man habe den großen Ein- fluß der Stammthiere bisher zu wenig beachtet, und wenigſtens manches auf das Clima geſcho- ben, was von der Auswahl jener hergerührt habe. Er empfehle nun zur Augmittelung dieſer, für die Schaafzucht und die Tendenz, welche man dabei zu nehmen habe, ſehr wichtigen Frage, noch ſchärfere und ausdauernde Beobachtungen, indem man, wenn vom Clima ſo viel abhänge, gewiſſe Zielpunkte ganz aufgeben, und an deren Stelle andere wählen müſſe.
Ueber den Einfluß der verſchiedenen Wei- den theilte Herr Schweizer folgende Erfah- rung mit: er kenne zwei Güter, welche nahe zuſammenliegend einem Beſißer gehörten, und nur durch Berg und Thal getrennt würden, Das eine habe einen milden, warmen, fruchtba- ren, dem rothen Klee ſehr günſtigen Boden und vorgüglic< kräftige Weiden und Wieſen. Der Boden des anderen ſei dagegen kalt, arm und thonig, die Wieſen und Weiden trügen nur ein kurzes,- ſeggenartiges und hartes Futter, mit dem ſich die Schaafe begnügen müßten, weil der Boden dem Klee nicht zuſage. Die Schaafe
hielten ſic) nun in RüFſicht der Geſundheit auf beiden Gütern. gleich gut, ihre Wolle ſey aber bei gleich) feinen Individuen merklic) von einan- der unterſcheiden, Auf dem erſten Gute ſei ſie ungleich weicher und milder als auf dem andern, wo ſie beſtändig einen viel rauheren Griff und- mehr Sprodigkeit zeige, wodurch ihr Werth nach


