Druckschrift 
Auszug aus den Protokollen des Leipziger Woll-Convent's im Jahre 1823 :
(gedrucktes Manuskript für die Herren Mitglieder und Theilnehmer desselben)
Entstehung
Seite
XXI
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Ob man unter dem, was man einen ſchö- nen Glanz der Wolle nenne, den Wiederſchein welchen die Wolle in Maſſe giebt, oder den des einzelnen Haars iu ſeiner Oberfläche verſtehe? Herr Köhler meinte, er zeige ſic) im einzelnen Haar und beſonders wenn es ausgeſpannt würde

- und der in Sachſen vorwaltende Seidenglanz liege in der Oberfläche des Haars. Auf die Frage ob dieſer Glanz auf die Annahme. der Färbung Einfluß habe, erwiederte Herr Breh- mer daß die Farben des Tuchs um ſo glän- zender erſchienen, je mehr Glanz die ungefärbte Wolle ſchon gehabt habe; die Farbe ſelbſt nehme ſie aber nicht beſſer als andere an,

Auf die Frage ob in einigen Vließen eine ſol<e Ausgeglichenheit ſtatt finde, daß bei den hdhern Sortimenten nichts abgeriſſen zu wer- den brauche? entgegnete Herr Spe>, daß er daran zweifle, indem er noch kein Vließ geſehen von dem nicht ein Theil der Keulen- oder Hals- Wolle hätte abgenommen werden müſſen; denn wenn die Feinheit auch aushielte, ſo ſchlüge doch die Form des Haars zurück. Auch ſey dies ſehr natürlich, da die Körpertheile welche dem Dru> und der Feuchtigkeit ſehr ausgeſeßt ſind, wie der Bauch und die Keulen, immer gegen die übrigen Theile zurückſtehen müßten. Auf den Einwurf daß die Bauchwolle doch sfters ſehr fein und ſanft ſey, erwiederte Herr Spe, daß ſie wegen der immerwährenden Feuch- tigkeit und dem DruF den ſie erlitte, doch im- mer ſo morſch und krankhaft ſey, daß ſie in die Stücken geworfen werden müſſe. Herr Sie- werts führte gegen Herrn SpeXs Meinung ein Vließ an, welches Herr Srinius vorgezeigt hätte und welches gar keinen Abgang gäbe, ſons dern als ein Beiſpiel vollkommener Ausgeglichen-

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heit aufgeſtellt werden kbnne, Herr v. Brüne>, welcher ſic) in den Meſſungen mit dem Dollond- ſchen Eirometer eine große Fertigkeit und Sicher- heit erworben, bemerkte hierauf, daß er einige Haare jenes geſtern vorgelegten Vließes gemeſſen und einen Unterſchied zwiſchen 7 und 10 Grad gefunden habe; die Herrn müßten alſo wohl nicht blos die Feinheit ſondern andere gute Eigenſchaf- ten, unter Ausgeglichenheit begreifen. Herr Spe> gab zwar zu daß ſie andere weſentliche Eigenſchaften ſehr berückſichtigten, eine bedeu- tende Feinheitsverſchiedenheit müſſe aber an ſich ſchon einen Unterſchied begründen.

Bei der Frage, ob es Vließe gebe, welche am Hintertheile feiner ſeyen, als am Vordertheile? ergaben ſich verſchiedene Meinungen. Da aber Mehrere anführten, daß man dies vorzüglich bei Meſtizen und gezwirnkwolligen Thieren fände, ſo erkannten die Meiſten an, daß dieſe Abweichung von der gewöhnlichen Ordnung der Wolle etwas fehlerhaftes ſey und den Verdacht einer unxei- nen Raße exrrege.

Der Präſident warf nun die Frage auf: ob der Wollproducent ſich durchaus mit keiner Sor- tirung der Vließe befaſſen, ſondern alles, was ihm ſeine Schäferei gebe, unter einander zum Verkauf ſtellen ſolle? Von eigentlicher Bildung der Sortimente, wie ſie nachmals in den Han- del kämen, und von den Wollhändlern an die Fabrikanten geliefert würden, ſey hier nicht die Rede, indem es jelzt wohl allgemein anerkannt wäre, daß dieſe Sortirung nur bei ſehr großen Maſſen und hinlänglicher Uebung in dieſem Ge- ſchäfte, rathſam ſeyn könne. Die Frage be- ſchränke ſich nur darauf, ob man etwa die vor- züglichen, die mittleren und die ſchlechteren Vließe, welche ſich in den meiſten Schäfereien noch ver- 3%