Sachverſtändigen um Beurtheilung derſelben. Un- fer andern zeigte Herr v- Raumer ein ſehr zweckmäßig eingerichtetes Käſtchen, in welchem verſchiedene<arakteriſtiſche Wollproben im gewa- ſchenen und ungewaſchenen Zuſtande, zwiſchen Glas lagen, auf welche Ärt ſie ſich ganz vor- züglich conſerviren ſollten,
Dieſer Nachmittag gab demnach Jedem Ge- legenheit, ſich über das zu belehren, was bei den eigentlichen Sißungen wegen Kürze der Zeit, nicht umſtändlich genug verhandelt werden konnte,
Den xr3ten Mai 1823.
Der Präſident legte einige ſo eben einge- gangene Bogen der Beiträge zur deutſchen Land= wirthſchaft des Herrn Profeſſor Sturm vor, worin derſelbe die im roten Bande der Möglin- ſchen Annalen für den Convent aufgeworfenen Fragen beantwortet; er bedauerte dabei, daß die Beſchränktheit der Zeit keine Vorleſung derſelben geſtatte.
Veber den Begriff welhem man mit den AusdrüFen Kern und Nerv der Wolle ver- binde,-= Ob man unter Kern die Kraft des Wollfadens oder deſſen Widerſtand gegen das Zerreißen, unter Nerv die Elaſticität oder das Beſtreben nach erlittenem DruFX oder AYusdeh- nung in die vorige Geſtalt zurüFzuſpringen, ver- ſtehe?=“- Herr Köhler hielt die Elaſtici- tät für etwas anderes, ſie ſey eine weſentliche Eigenſchaft guter Wolle, werde von den Fabri- kanten durchaus verlangt, und kranke, matte Wolle ſey deshalb fehlerhaft, weil ſie ſolche niht beſiße. Cine in Ungarn häufig erzeugte
Wolle, welhe man zum Unterſchiede von der
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ſächſiſchen ſeidenartigen, baumwollenartig nenne, beſiße dieſe Eigenſchaft nicht ſtark und nehme daher den Farbenlüſter nicht recht anz die Dehn- barkeit na< vblliger Entkräuſelung ſcheine, ihm das zu ſeyn, was man Elaſticität nenne. Herr v. Brüne> warf die Frage auf: ob der Unterſchied zwiſchen milder und ſtren- ger Elaſticität begründet ſey und ob unter er- ſterer nicht das langſamere ſanftere Zurüctreten in die vorige Geſtalt verſtanden werde und dies das Erwünſchteſte ſey? Herr Brehmer ſtimmte ihm bei und fügte hinzu, daß hierin gerade der Vorzug'der Electoralwollen beſtände, indem die der Infantados eine ſtrenge barſche Elaſticität beſäßen und das daraus gefertigte Tuch nicht ſo ſanft und geſchmeidig ſondern hart und brettar- tig ſey= welchem Ausſpruch alle Wollhändler beiſtimmten,
Die AusdrüFe Kern und Nerv hielten die Meiſten für gleichbedeuteud, man meſſe ſie einer Wolle bei, wenn.ſie ſich in der Hand kräf» tig anfühle, beim DruFX und auch beim Zerrei- ßen widerſtrebe. Herr Thaer bemerkte, dies ſey doch etwas verſchiedenes obwohl mit einanz- der verbundenes, Herr Schulße ſagte, daß einigen nicht elaſtiſchen Wollen doch ſehr guter Kern beigemeſſen werde und ſo müſſe es wohl etwas beſonders ſeyn, Herr Brehmer beſtä- tigte dies und führte Kammwollen, die feine Elaſticität aber viel Kern beſäßen, als Beiſpiel anz; vogegen Herr Köhler äußerte daß die Kammwolle in der Hand zwar wenig Elaſticität beim ſtärkeren Zuſammendrücen aber deſto mehr angebe und daß es dabei auf den Bau des Haars nicht anfäme, Dies und mehreres darüber Ver- handelte bewies, daß der Sinn dieſer Ausdrü>e no< nicht feſt und allgemein beſtimmt ſey.


