Der am Morgen getroffenen Uebereinkunft gemäß, verſammelten ſich die Mitglieder am heu- tigen Nachmittage wieder, um ſowohl den Kdh- lerſc<en Wollmeſſer kennen zu lernen als auh mehrere Vließe welche noch vorzulegen wa- ren, mit Muße betrachten zu können.
Herr Kdhler übernahm ſelbſt die Erklä- rung ſeiner Erfindung und las zuerſt das We- ſentlichſte aus ſeiner darüber gedruXten Schrift „Köhlers Wollmeſſer“ vor. Ererzählte dann, wie er auf dieſe Erfindung gefallen und daß er ſchon länger als 10 Jahre daran gearbeitet, immer verändert und verbeſſert habe, bis es ihm endlich vor Kurzem gelungen ſey, dies Inſtrumeut mit Hülfe des geſchikten Mechanicus Hoffmann in Leipzig, vollkommen darzuellen. Er er- klärte nun die ganze Conſtruction deſſelben bis auf die kleinſten Theile, und ließ alsdann, das vor dem Meſſen nöthige Waſchen und Kämmen der Wolle, ſo wie das Abzählen der erforderli- <hen Hundert Haare, von einer in dieſem Ge- ſchäft ſchr geübten Perſon, dem Convente zei- gen und lehren. Hierauf beſchrieb er die Ma- nipulation der Meſſung ſelbſt und maß meh-
remale vor den Augen ſeiner Zuhdrer, ließ auch
einige derſelben verſuchsweiſe eigenhändig meſſen,
Unter mehreren mit dem Inſtrument ange- ſtellten Proben, zeichnete ſich beſonders folgende ſehr für die Genauigkeit deſſelben aus. Herr Köhler maß nämlich eine Parthie von Hun- dert Haaren ſe<s Mal, ließ ſie zwiſchen je- der Meſſung von Mehreren beſehen und wiſchte ſie ſelbſt ſo viel herum, daß ſie jedesmal von neuem gewaſchen werden mußte; alle ſechs Mal zeigte der Maaßſtab auf's Haar einen gleichen Feinheitsgrad an,
D7:(die
Während Herr Köhler mit ſeinem Inſtru- mente maß, erklärten aud) Herr v. Brüne> und Herr Mengel die Conſtruktion des Dol- londſc<en Eirometers an zwei mitgebrach- ten Exemplaren und zeigten das Meſſen mit demſelben, Vergleichungöweiſe maß Herr Men- Bel zwei von Herrn Köhler bereits gemeſſene Wollen mit dem Dollondſchen Eirometer und fand, daß ein Haar von den Hunderten die 2 Grad Köhler maaßen, 7 Grad, ein anderes von 18 Grad Köhler, 22 Grad Dollond hatte; welche Meſſungen nach angeſtellter Berechnung in ziemlich genauen Verhältniß ſtanden. Uebri- gens konnten die wenigen heutigen Verſuche, noch kein ſicheres Urtheil“ über die Zuverläßigkeit und Brauchbarkeit des Köhlerſchen Wollmeſſers gez ſtatten, weshalb man dies noh ferneren Verſu- <hen anheim ſtellte*).
Herr Trinius zeigte ſe<s Vließe vor, welche die verſchiedenen Gradationen der Fein- heit(von ihm Veredlung genannt), ſehr treff- lich verſinnlichten. Er erläuterte an dieſen ſechs Muſtern die Cigenſchaften der hochfeinen, der feinen, der mittleren, der angehenden, der höchſt fehlerhaften Veredlung und des Zwirnens auf eine ſehr deutliche und belehrende Weiſe,
Auch mehrere der Herrn Züchter legten Vließe und Proben vor, und erſuchten die Herrn
.*) Vielfältig mit dieſem Inſtrument in Mögelin nah- mals angeſtellte Verſuche, haben uns noh ſtärker von der zutreffenden Genauigkeit deſſelben überzeugt; es muß aber ſehr ſauber und vorſichtig behandelt werden, Wenn von den x00 Haaren ein Paar ab- genommen wurden, ſo zeigte das Inſtrument die verhältnißmäßig Abnahme des Bündelchens ſehr richtig an.
Thaer. 3


