Druckschrift 
Auszug aus den Protokollen des Leipziger Woll-Convent's im Jahre 1823 :
(gedrucktes Manuskript für die Herren Mitglieder und Theilnehmer desselben)
Entstehung
Seite
XVIII
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Hinſichtlich des Zwirnens legte nunmehr Herr Spe&> ein Vließ vor, von dem er ſagte, daß es zur Fabrikation von Caſimir und andern dannen Stoffen, wegen dieſes Fehlers der dieſe ſtreifig machen würde, unbrauchbar ſey. Beiläu- fig ſey es auch zur Tuchfabrikation zu lang und ſpießig- Noch wurden die Vließe No. 9. 26. 34, und die Proben No, 4. 3, 20. vorgelegt, von denen das erſte einen außerordentlich hohen, die übrigen verſchiedene geringere Grade des Zwirnens an ſich trugen.

Es entſtanden bei dieſer Gelegenheit ver- ſchiedene Discuſſionen, in denen Herr Brehmer einen gewiſſen Grad der Kräuſelung zur Bildung eines guten Tuchs für unumgänglich ndthig hielt; Herr Köhler dagegen behauptete, daß die Merinoswolle nicht glatt genug gewachſen ſeyn könne, weil ſich vo<h immer eine zureichende Kräuſelung in derſelben finde, Es ſchien aber das Ganze auf einem Mißverſtändniß zu beru- hen, indem man das Wort Kräuſelung in verſchiedenem Sinne nahm: und darunfer nicht blos die mehr oder minder dichten Bogen des Wollhaars verſtand, ſondern die Bildung welche die Wolle in Maſſe, beſonders nach der Wäſche annimmt und wo dann eine ſehr ſtarke Einfalz zung der hohen Bogen, ſelbſt ohne eigentliches Zwirnen, die Wolle zu hochfeinen Fabrikaten un- geſchi>t macht, wie denn überhaupt ſehr hohe Bogen eine mindere Zartheit der Wolle andeuten.

In Betreff des Zwirnens ward noch die Bemerkuug gemacht, daß dieſer Fehler beſonders erblich ſey und daß er ſich ſchnell vermehre, wenn man ihm bei der Zucht nicht möglichſt entgegen zu arbeiten ſuche.

Hinſichtlich des Filzens der Wolle, welz <hes man ſouſt auch im ganzen Stapcl bemerkt

und das von einer Ungleichheit der Haare herrührt, bezogen ſich die gemachten Bemerkungen haupt-= ſächlich nur auf das ſogenannte Bodigſeyn der Wolle, wo die Stapel oben regulair gebil- det und gehdrig getrennt ſind, unten aber das ganze Vließ einen faſt zuſammenhängenden Filz bildet. Mehrere hatten die Bemerkung gemacht, daß es die Folge einer Kränklichkeit ſey und ſich in der Zeit des Lammens oder Säugens zeige;. Herr Sc<hnlte bemerkte noh, daß er an einem Schaaf, welches jährlim ein bodiges Vließ lie: ferte, gerade in dem Jahr wo es kein Lamm brachte, dieſen Fehler nicht fand. Herr Köhler meinte, daß man dies auch aufſäßige Wolle nenne,;

Ueber die Dehnbarkeit der Wolle war die Frage aufgeworfen: ob die Verlängerung welche die Wolle durch die AugreFXung erleide, und die immer als etwas preiEwürdiges aner- kannt wird, wenn ſie bedeutend iſt, dasſelbe ſey, was man auch unter einem guten Zug. oder Fluß verſtehe? hierüber erklärte ſich Herr Kd h- ler folgendermaßen: Unter gutem Zug oder Fluß verſtehe man nicht die Dehnbarkeit des Stapels der Länge nach, ſondern die möglichſte Zuſammenhaltung der Haare beim Auseinander- ziehen. Ziehe man ein Vließ oder einen Fluſch Wolle von einander, ſo müßten ſich die Haare nicht gleich alle trennen, ſondern die einzelnen Fäden und Haare müßten noch möglichſt lange an einander hängen. bleiben, gleichſam darnach ſtreben die abgeriſſenen Theile noc< in Verbin- dung zu erhalten, Bei Fräftiger und ſchneller Trennung müſſe die Wolle von gufem Zug aber wieder leicht von einander gehn, ohne zu reißen, alſo nicht etwa zuſammen gewachſen oder filzig ſeyn.

Der