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Auszug aus den Protokollen des Leipziger Woll-Convent's im Jahre 1823 :
(gedrucktes Manuskript für die Herren Mitglieder und Theilnehmer desselben)
Entstehung
Seite
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müſſe, wie ſich die Wolle demnächſt als verkäuf- lihe Waare verhalten werde. Deshalb beachte- ten die Züchter Manches im einzelnen Haar und ſeiner Verbindung, welches denen, die die Wolle nur in größeren Maſſen als Waare behandelten, vielleicht als übertriebene Subtilität erſcheinen möchte.

Deshalb hätten auch die Wollzüchter eine ſo vorzügliche Aufmerkſamkeit auf die Raßen vder die, durch Paarung des Gleichen mit Glei- <em, conſtant gewordenen Abarten und ihre erb- lichen Qualitäten gerichtet.

Die Raßen entſtänden, wenn man die Ab- weichungen, wozu beſonders alle unter der Pfle= ge der Menſchen ſtehenden Hausthiere und vor allem die Schaafe geneigt wären, wahrnehme und inſofern dieſe Abartungen in irgend einer Eigen- ſchaft unſeren Zween angemeſſen ſeyen, vadur< zu erhalten ſuche, daß man Thiere, die ſich gleich- mäßig zeigten, zuſammen begatte, und den dar- aus entſtandenen Stamm dann in ſich ſelbſt fortpflanze(In= und Inzucht treibe), mit Aus- ſonderung deſſen, was in der erwünſchten Cigen- ſchaft zurückſchlage oder ſich unzwed>mäßig ver- andere. Es könnten alſo ſo viele Raßen erzeugt

werden, als es mdgliche Abweichungen nnd Gra-

de' derſelben gebe und allerdings hätten manche Schäfereien Recht, ihren Stamm eine eigen- thümliche Raße zu nennen, wie dieſes auch in den ſpaniſchen Schäfereien, wo gewiſſermaßen immer In- und Inzucht betrieben worden undin der Regel kein fremder BoF zugelaſſen würde, der Fall geweſen ſey. Er habe zuerſt den Vor- ſchlag gethan, die mannigfaltigen Stämme oder Raßen in gewiſſe Hauptklaſſen zu vereinigen und dadurch) manchen Verirrungen in der Zucht und Mißverſtändniſſen vorzubeugen. Wenn gleich die Abweichungen mannigfaltig ſeyen, ſo hätten ſie doch beiallen Thierarten, und ſo auch bey den

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Schaafen, gewiſſe entgegenſtehende Tendenzen. Man bemerke deren hinſichtlich der Wolle beſon- ders Zwey;: die eine zu einer größern Krafft, Widerſtreben und Starrheit des Haars und ihr entgegengeſeßt, zu größerer Nachgiebigkeit, Ge- ſchmeidigkeit und Sanftheit, verbunden mit Schwä- che. Ein ſtärkerer Durchmeſſer des Haars verei- nige ſich zwar mehrentheils mit jener, ein ſchwä- herer mit dieſer, dennoch ſtehe die Feinheit nicht immer mit der Kraft und Geſchmeidigkeit in gleichem Verhältniß und es kämen gröbere Haa- re, die geſchmeidiger und feinere, die ſiarrer ſey- en, vor, wohl nicht in den Extremitäten, aber in den Mittelgraden dieſer Tendenzen, die man

Pole nennen könne, weswegen man von der-

Feinheit hier lieber vorerſt abſahe. Die zweite entgegenſtehende und beachtenswerthe Tendenz ſey: die zu gedrängteren auch höheren Bogen oder ſtärkerer Kräuſelung des Haars und ihr entgegenſtehend die völlige Schlichtheit, welche zwar bey den Merinos nie im hd<ſten Grade aber doch annähernd vorfäme. Wenn wir die erſte- ren entgegenſtehenden Tendenzen uns bildlich als verticale Pole vorſtellten, die leßzteren als ho=-

rizontale und uns zwiſchen ihnen lauter con-

centriſche Zirkel dächten, ſo könne ein Individuum oder ein Stamm auf jedem Punkte dieſer Zirkel und ihrer Radien ſtehen, und es könne mögli- her Weiſe ſo viele Raßen geben, als ſich hier Punkte denken lieſſen. Jedes uns vorkommende Thier würde ſich aber einen oder dem andern Ver- tical= und Horizontal-Pole, oder aber dem Mit- telpunkt mehr nähern. Zu dem Extreme oder äußerſten Pole gelange wohl feins, und wenn es fich einem, ſelbſt dem der allerhd<ſten Sanftheit zu ſehr nähere, ſo könne dies nicht erwünſcht ſondern nur tadelhaft ſeym- Eine gewiſſe An- nährung aber zu einem oder. dem andern dieſer Pole mache die Wolle zu einem oder dem an-

än