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An meine Mitbürger über das Edikt welches im Königlich-Preußischen Staat die künftigen Verhältnisse zwischen den Gutsherren und Bauern feststellet / von einem Preußischen Patrioten
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Zustand der Landleuke betreffend, mit den Berichten und den angeführten Beispielen von Indolenz und Faulheit der Bauern. Man kann es nicht läugnen, daß jeßt mehr Brandtwein, Kaffee und Thee getrunken wird, als sonst; man glaubt nun den Ge- nuß dieser Bedürfnisse erschweren zu müssen, oder man will durch Ermahnungen die Konsumenten davon zurückbringen, und man wird mit aller Anstrengung vielleicht hie und da seinen Zwe erreichen, daß diese armen Menschen nun=- Wasser, aber nicht, daß sie mehr Bier als vorher trinken; man vergaß, den Grund in der Sache zu suchen, und suchte sie im Menschen; man bedachte nicht, daß das Bier für sie zu theuer und zu schlecht war, und daß also eine Veränderung des Verhältnisses, das man für schädlich anerkannt hatte, nicht mit dem Menschen, sondern mit dem Bier angefangen werden mußte.

Auf gleiche Art geht es mit den Urtheilen über Jndolenz und Fanlheit der Bauern; man kann es nicht läugnen, daß diese Menschen hie und da auf einer sehr niedrigen Stufe der Kultur stehen, aber man sucht nun ebenfalls häufig diesen Grund in den Menschen und nicht in den Verhältnissen, in welchen sie leben. Eben so, wie die Verbesserung der Landschulen nicht von Anlegung der Seminarien, welche ge- schi>te Schullehrer bilden sollen, sondern von der ökonomischen Verbesserung der Lage unsrer Landschullehrer auszehen muß, wenn sie ihren Zwe erreichen soll, eben so muß die Verbesserung der armen Aerbauer von dcr Verbesserung ihrer vfonomischen Lage ausgehen.

Wenn in einer Provinz, deren National- Einkommen, wie in den mehresten Preußischen Provinzen, fast allein von Grund und Boden herkommt, der Stand der

«Acterbauer in Armuth und Dürftigkeit lebt, so wird auch der Bürgerstand arm und

und dürftig seyn; denn das Einkommen der Nation, der Wohlstand und der Reich- thum ihrer Glieder geht dort von der Klasse aus, welche genießbare Güter produ- eirt, und nicht von der Klasse, welche sie zum Gebrauch bearbeitet; der Bauer lebt da nicht vom Städter, sondern der Städter vom Bauer.

(Betrachtungen über den National-Reichthum des Preuß, Staats von Krug, Erster Theil, Seite 465.)

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