Periodikum 
Die Feier von Kaisers Geburtstag und der Reichsgründung veranstalten am ... an der Universität Giessen
Entstehung
[Erscheinungsort nicht ermittelbar] Im Digitalisierungsprozess 1915 ; damit Ersch. eingest., 1915-1915
Einzelbild herunterladen

das äußerste angespannt werden, damit auch die Machtstel- lung des Kaisers zu größtter Bedeutung gelangen und ihren überragenden Charakter enthüllen. Daſt aber darum auch in solchen außergewöhnlichen Lagen die föderalistischen Grund- lagen des Reiches in keiner Weise geschmälert werden, zeigt sich jedem in der gerade jetzt höchst wichtigen und eingrei- fenden Tätigkeit des Bundesrates, eben desjenigen Reichs- organs, das sein föderalistisches Wesen zum Ausdruck bringt. Und ebenso bleibt es selbstverständlich unter allen Umständen dabei, daß der Kaiser nicht Monarch des Reiches, daß er vielmehr im Kreise der Bundesfürsten rechtlich nur der Erste unter Gleichen ist; freilich mit der wichtigen Einschränkung, daß nur ihm, dem König von Preußten, die Eigenschaft zu- kommt, als Kaiser unmittelbares Organ des Reiches zu sein. Daß der Kaiser es ist, der das Reich auch staatsrechtlich und politisch mit eigenster und letzter Verantwortung führt, das wird jedem klar, der an die Ereignisse des Kriegsausbruchs zurückdenkt.

Kein Zweifel: die deutsche Reichsverfassung, in der unsre staatliche Einheit verankert ist, schließt somit streng theore- tisch betrachtet begriffliche Gegensätze in sich ein: födera- listischie und unitarische, monarchische und demokratische Bestandteile sind in ihr zusammengeschweißt. Aber gerade darin liegt ihr außerordentlicher Vorzug und die Gewähr ihrer Haltbarkeit. Kein auf logische Folgerichtigkeit bedachter

24

einer Zeit wie der gegenwärtigen, wo diese Machtmittel auf