Jahrgang 
2
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Gauleiter, Herr Reichsſtatthalter, Parteigenoſſin⸗ nen und Parteigenoſſen, verehrte Gäſte!

Es iſt mir eine beſondere Freude, daß ich heute bei der Einweihung des Umbaues unſeres Vor⸗ leſungsgebäudes den Gauleiter als Führer der Partei im Gau Heſſen⸗Naſſau und als Reichsſtatt⸗

halter in Heſſen begrüßen kann. Wir ſind Ihnen,

Gauleiter, beſonders dankbar, daß Sie trotz Ihrer

großen und verantwortungsvollen Arbeit ſich die

Zeit genommen haben, die Neuweihe perſönlich vorzunehmen. Ich begrüße Sie daher als Rektor der Ludwigs⸗Univerſität im Namen der geſamten

Univerſität auf das herglichſte. Ich gebe ferner

Bericht des Rektors, Prof. Dr. Kranz

meiner Freude darüber Ausdruck, daß ich die Ver⸗

treter der Wehrmacht ſo zahlreich heute bei uns begrüßen darf. Ebenſo heiße ich alle Ehrengäſte

aus Partei, Staat und Wehrmacht bei uns herz⸗

lich willkommen. Als mich vor einem Jahr das Vertrauen des

Gauleiters von meiner Fronttruppe zurüchbeor⸗ derte, um in der Heimat das Amt des Rektors der

Ludwigs⸗Univerſität zu übernehmen, war ich mir bewußt, daß eine nicht gerade leichte Aufgabe meiner harrte. 3

Militäriſche Geſichtspunkte hatten eine vorüber⸗

gehende Schließung der meiſten deutſchen Univer⸗

ſitäten notwendig gemacht. Als dann im Spät⸗ herbſt dieſe militäriſchen Geſichtspunkte eine Wie⸗ dereröffnung der deutſchen Hochſchulen geſtatteten, war es noch keineswegs ſicher, daß ſich auch die Pforten unſerer alten 333jährigen Academia

Ludoviciana wieder öffnen würden. Ihrer tatkräf⸗

tigen Mithilfe, Gauleiter, war es vor allem zu

verdanken, daß der Wunſch aller Freunde unſerer

Hochſchule in Erfüllung ging und wir im Januar 1940 mit dem Vorleſungsbetrieb in Gießen wie⸗ der beginnen konnten. Trotzdem war aber auch damals die Lage unſerer Hochſchule eine ſchwie⸗ rige, ſo daß ſogar Gerüchte über eine Schließung oder Verlegung der Univerſität aufkamen und zu⸗ nächſt nicht verſtummen wollten. Insbeſondere er⸗ weckte die während der vorhergegangenen Jahre ſtark zurückgegangene Frequenz unſerer Studen⸗ tenziffer ernſte Befürchtungen bei allen denjeni⸗ gen, die an unſerer ehrwürdigen Alma mater als einer der älteſten deutſchen Univerſitäten hingen.

So war es kein Wunder, daß ich vor einem Jahr bei Antritt meines Amtes eine unerfreuliche

und allgemeine Reſignation auch im Lehrkörper antraf. Wir haben nun damals den Standpunkt vertreten, daß ein ſo gewaltiges Reich wie Groß⸗ Deutſchland es nicht nötig haben würde, Univerſi⸗

täten zu ſchließen, ſondern waren davon über⸗ zeugt, daß ſich ſogar Neugründungen als notwen⸗

dig erweiſen würden. Ich ſelbſt habe für meine Perſon von vornherein den Standpunkt vertreten, daß nur der aufzugeben iſt, der ſich ſelbſt aufgibt, und daß die Frage Schließung oder Aufwärtsent⸗ wicklung letzten Endes nur durch uns ſelbſt ent⸗ ſchieden werden könnte und würde. Ebenſo war ich mir aber auch darüber im klaren, daß ich meine Aufgabe mur dann zu erfüllen vermöchte, wenn ich

innerhalb und außerhalb der Uni⸗