Aufsatz 
Das Elsaß und die Elsässer im "Rheinischen Merkur" 1814-16 / von Emil Mendling
(Zabern)
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Teutſche geweſen, als die Teutſchen jenſeits des Rheines ſelbſt. Bayle ſagte damals von ihnen: IIl est à craindre, qu'un peuple infatué de la gloire germanique, et prévenu de cent fausses idées de la prétendue vanité française, ne contribue de tout son pouvoir à rétablir l'honneur de l'Allemagne, et à mortifier l'insolence de nos troupes, toutes les fois, qu'il se verra en état, de le ſaire impuniment.

Was hat ſeither die Anhänglichkeit dieſes Volkes an die Fran⸗ zoſen, und beſonders in der letzten Zeit an die Revolution und an Napoleon bewirkt? Ohne weifel, weil ſie gut gehalten waren, weil ihr Wohlſtand geſichert war, ihr Stand geehrt, und ihr Recht an⸗ erkannt. Durch die Aufhebung der Feudallaſten und den Verkauf der Staatsgüter ſind die Bauern ſich ſelbſt angehörig und bereichert worden; ſie werden ihres Lebens froh, und mit der Wohlhabenheit erwacht der Stolz und die Energie in der Bruſt, und der Menſch, der einmal zur Bedeutſamkeit ſich heraufgearbeitet, will auch fort⸗ dauernd in ſolcher Lage ſich behaupten. Begreiflich, daß er dankbar ſich vor Allem nach der Seite wendet, von wo ihm ſein beſſeres Heil gekommen.

Wir aber, die wir zu ihnen herübergekommen, was haben wir ihnen ſo Reizendes zu bieten, das ſie von dieſer ihrer dankbaren Liebe abtrünnig machen könnte. Sehen ſie über Rhein, ſo gewahren ſie ihre dortigen Standsgenoſſen von den ſouverainen Regierungen an den Bettelſtab gebracht, geſchunden, geplackt, geplagt durch Krieg und ſchlechte Adminiſtrationen in alle Wege, blicken ſie ſtromabwärts, ſehen ſie die Völker durch langwierige Proviſorien zur Verzweiflung gebracht. Vorher gab ihnen Frankreich Schutz und Sicherheit, kein Nachbar mogte ſie verletzen; jetzt ſteht unſere herrliche zuſammen⸗ gelappt und geflickte Bundesverfaſſung da, und erbietet ſich freund⸗ ſchaftlich, ſie unter ihren Bettlermantel aufzunehmen, während auf der andern Seite die hochgeehrte, ſchon halbgarantirte franzöſiſche Einheit droht, und ihnen die ſichere Ausſicht giebt, nach wenig Jahren ſie wieder aus einer ſo ſchlecht verwahrten Gemeinſchaft abzureißen.

Iſt es ein Wunder, daß dieſe Menſchen uns mit Fäuſten von ſich abzuwehren ſuchen, und lieber den Welſchen anhängen, die zwar nicht ihres Stammes ſind, aber unter denen ſie gegrünt und geblüht in ihrem ſchönen Lande? Hat man beim Einmarſch ſie auch nur eines guten Worts gewürdigt, und ihnen zugeſagt, daß man ſie laſſen wolle bei ihren Rechten und in dem Beſitze, wie ſie es bei den Franzoſen genoſſen haben? Freilich glaubt niemand mehr Proklamationen, aber eine gute Rede mogte doch verſöhnlich wirken, und leicht gute Stätte ſinden, während das Schwert wohl auch harten Widerſtand bezwingt, aber doch immer zuletzt ſich ſelbſt daran ſchartig ſchlägt.

Wo Heimtücke, Bosheit und Grauſamkeit ſich hervorgethan, da mag gerechte Rache die Schuldigen treffen, doch ſoll man nie über