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Nummer 21.
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„Das war der Tag, an dem wir beten lernten——“
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Das war der Tag, an dem wir beten lernten.— Rings tiefe, ſtille Nacht; vom ganz entfernten Walde drang nur vereinzelt Schießen her, Da goß ſich jählings wie ein toſend Meer Ein Hagel von Granaten und Schrappnell Auf uns. Von Leuchtraketen ſchien die Nacht taghell Und nur beim fahlen Blitz krepierender Geſchoſſe Sah man mit Grauen Freund und Blutsgenoſſe Dahingemäht. Dann kam der Angriff. Siebenmal⸗ Auf unſ're Stellung her vom Tal Sind ſie herangeſtürmt, Und vor uns lag, zu Bergen hochgetürmt, Ein Wall von Menſcheuleibern, jammernd— ſtöhnend——. Noch lauſchen wir dem Schießen, dem entfernten; Das war der Tag, an dem wir beten lernten.
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Kurt Dietz, Huſarenregt. 9
Gießen in der„Täglichen Rundſchau“.
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5 Von der Ruhe der Seele.
Das Herrlichſte in dieſer Kciegszeit iſt ein ru⸗ ger Menſch. Dieſe Ruhe der Seele iſt ein unverlier⸗ vares Kleinod. Manchmal waren wir in Gefahr, es zu verlieren, manchmal kam die Unruhe der äußeren Dinge, und man vergaß, daß die Welle des Meeres nur die Oberfläche berührt, aber das Meer ſelbſt i ſeinen Tiefen ſlille bleibt, auch dann, wenn Sturm tobt, daß Shiffe zerſchellen. Ein ſolcher ruhiger Menſch iſt heute ein Labſal für alle die, die mit ihm verkehren. Ec wirkt befreiend und „keäftigend, er nimmt teil an aller Not, und ſeine Seele wird doch erſchüttert bis zum Innerſten, aber in den Tiefen ruht ſein Geiſt und erkennt die Anter, die in die Ewigkeit gehn. Das Ewige iſt heute offenbar; es iſt nicht außer der Zeit, es liegt nicht jenſeits dieſer Welt, es iſt in uns. Die Seele iſt ſeine Heimat. Nicht das Ideal der teilnahms⸗ loſen Unerſchütterlichkeit reizt uns heute, aber in voller Teilnahme an Jubel und Schrecken das Gleichgewicht behalten, in all den Stürmen trotzdem geradeaus zu ſehn, das heißt deutſch ſein. Hüte deine Seele und pflege die Seele des andern; das iſt Kriegsdienſt. So arbeiteſt du mit an dem neuen Bau, deſſen Grundſtein wir ſehn, an dem Tempel einer neuen Zukunft, deſſen goldne Hallen einſt nſre Kiader und Kindeskinder erfüllen ſollen mit heuer Tatkraft, alter Treue, frommem Frohſinn.
Gottfried Traub. 3(Aus der„Sonntagsfeier“ 13, Nr. 16, 1916.)
Beſliſche Tazarektt-Zeitung.
Giehßener Beilage.
2579 Gulden an freiwilligen Gaben einliefen. Ein aus Bürgersſöhnen und Studenten gebildetes frei⸗ williges Sanitätskorps ſtellte dem Hilfsverein ſeine Kräfte zur Verfügung. In den Kliniken und in der Turnhalle(hinter der heutigen Rickerſchen Buchhandlung) entwickelte der Alice⸗Frauenverein eine fieberhafte Tätigkeit zur Herſtellung von Ver⸗ bandſtoffen. Auf dem Seltersberg wurden Vor⸗ kehrungen getroffen zur Errichtung von Baracken für die Aufnahme von Kranken und Verwundeten (Die heutigen neuen Kliniken beſtanden damals noch nicht.) In den eecſten Tagen des Auguſt trafen die erſten Verwundeten hier ein. Am 12 Auguſt verſtarb im hieſigen Lazarett der Franzoſe Charles Bruguerolles, Kapitän im 3. Zuavenregiment, der unter großen militäriſchen Ehren beſtattet wurde. Ihm wurde ſpäter von hieſigen internierten fran⸗ zöſiſchen Offizieren eine Sandſteinſäule als Denk⸗ mal auf dem hieſigen alten Friedhof errichtet.
Die alte Zeughauskaſerne mußte geräumt werden, um zur Aufnahme gefangener Franzoſen bereit zu ſein. Das daſelbſt untergebrachte Erſatzbataillon des 2. heſſiſchen Regimentes kam in der Stadt in Quartiere. Die Bürger mußten die Verpflegung der Soldaten koſtenlos übernehmen. Als Aufent⸗ haltsort für kriegsgefangene franzöſiſche Offiziere wurden außer Darm ſtadt die Garniſonſtädte Gießen, Friedberg, Offenbach Babenhauſen, Worms beſtimmt. Kciegsgefangene Unteroffiziere wie Soldaten ſollten in Gießen und Offenbach untergebracht werden. Am 15. September kamen 17 kriegsgefangene Offiziere in Gießen an und bezogen Quartiere in der Stadt. Es war den kriegsgefangenen Offizieren und Beamten im Offiziersrange das Mieten und Be⸗ ziehen von Privatquartieren auf eigene Koſten geſtattet worden, wenn ſie ſchriftlich ihr Ehren⸗ wort gaben, keinen Fluchtverſuch zu unternehmen. Am 20. September trafen 6, Ende September 25 franzöſiſche Offiziere mit 11 Burſchen hier ein. Gefangene Unteroffiziere und Mannſchaften wurden hauptſächlich anfangs November nach der Kapitu⸗ lation von Metz hierhen verbracht.
Im ganzen wurden bis zum Friedensſchluß am 10. Mai 1871 in Gießen 104 franzöſiſche Offiziere interniert. Unter ihnen befanden ſich 1 General, 4 Oberſten, 1 Oberſtleutnant, 8 Majore, 23 Haupt⸗ leute, 43 Leutnants, 24 Unterleutnants, 1 Veteri⸗ närarzt. Sie gehörten verſchiedenen Waffengattungen an, hauplſächlich den Linienregimentern; aber auch Garde⸗Küraſſiere, Chaſſeurs d'Afrique, Jäger zu Fuß, Artilleriſten, Marineſoldaten befanden ſich unter ihnen. 30 Leutnants wurden kaſerniert; die übrigen Offiziere wohnten teils im Zinſerſchen (heutigen Steinſchen) Garten, im Einhorn, Café Kuhlmann, im Löwen und Rappen. Andere mie⸗ teten ſich bei Bürgern ein.
Die kriegsgefangenen Offiziere erhielten die Er⸗ laubnis, ſich vor der Reveille bis abends 9 Uhr ungehindert innerhalb der Grenzen ihres Aufent⸗ haltsortes zu bewegen; auch durften ſie Zivilkleider anlegen. Dies erſchwerte allerdings die Aufſicht; doch wird von Deſertionen der Offiziere nichts berichtet. Ihre ein⸗ und abgehenden Briefſendungen unterlagen der Durchſicht des Kommandanten. Kriegsgefangene Unteroffiziere und Mannſchaften durften die Kaſerne ohne militäriſche Bewachung
eeee Iranzoſen in Gießen im Jahre 1870-71.
1. Auguſt 1910.
tung war außerdem der bei Ausbruch des Keieg 4 aus Paris ausgewieſene Gießener Sattler Wal’s bei dem die franzöſiſchen Offiziere viel verkehrtern, da er ihnen oft als Dolmetſcher dienen mußte.
Im„Gießener Anzeiger“ vom 16. Novembaer 1870 wird gerügt, daß vieles Einwohner es ver⸗ gäßen, den Franzoſen gegenüber die nötige Würde zu wahren. Viele ſeien glücklich, ihre paar franzöß⸗ ſchen Brocken an den Mann zu bringen und ließen ſich dadurch zur devoteſten Unterwürfigkeit verleiten. Man ſolle ihnen ein höfliches, würdevolles Bench⸗ men zeigen aber ſie nicht hätſcheln und peſchen und ihnen den Zutritt in die Familie geſtatten“.
Wieoiele verwundete und kranke Franzoſen den hieſigen Lazaretten Aufnahme gefunden, ſich nicht beſtimmt feſtſtellen. 15 erlagen ir Verwundungen und ſind auf dem hieſigen a Friedhof beſtattet. Sie deckt die deutſche Erde friedlicher Vereinigung mit ihren deutſchen verſ benen Kameraden. Den hier ruhenden Franz⸗ wurde von ihren Landsleuten ein ſchlichtes D mal errichtet, ein eiſernes Kreuz auf einem S ſteinſockel mit der Aufſchrift:„A la mémoire 0 soldats francçais décédés à Giessen en 1870/ Erigé par leurs compatriots“.(Dem Anden der in Gießen im Jahre 1870/71 verſchieden franzöſiſchen Soldaten. Errichtet von ihren Lan leuten.) Auf der Oſtſeite des Sandſteinſockels ſi in lateiniſcher Sprache das Bibelwort aus Hebre 11, Vers 16:„Nunc appetunt meliorem patrian (Nan ſtreben ſie einem beſſeren Vaterlande zu.)
Dr. H. Bergey
Literatur
Verwundet. Von Unteroffigier Fr (Weſtdeutſche Kriegszef e 6), 80(3( 1916. Verlag der Weſtdeutſchen Preis 30 Pfg.
Seldſt ſchwerverwundet hatte der T Lazareiten an der Front und in der Heir Monate G legenheit die Stimmungen d genoſſen zu beobachten und über die ei zudenken. Was er in ſeinen Skazzes wird manchen Verwundeten tet und aufrichten. Moöge das Be Hände kommen.
Volksunterricht, Hufs kurſe, herausgegeben vom Ser. dentenarbeit. Volksvereinsverlc M. Gladbach.
Schon vor mehreren Jahren dieſer Sammlung begonnen, der eine möglichſt kurz und klar jeweils die e eines Wiſſenszweiges darlegen wollen. Si ſich als Hilfsbücher für Unterrichtsturſe, e ſehr gut zum Selbſtunterricht und zurn holung ſchon bekannter Gebiete. Manche Verwundeten wird ſie in den Tagen der Gen Vorteil in die Hand nehmen können. liegen vor die Hefte: 1 Deutſch, 2 3 Rheiniſche Heimatkunde, 4 Wetterkunze, Pflanzenwelt, 6 Angewandtes Rechnen
nicht verlaſſen. Arbeitswillige gefangene Franzoſen
5 s, 8 Waſchaftskund 4 33] 1 1 1 1 114 4.1.1 1 1 A 111 LI 16 1 11 1 1 2I 1 1 1 3 10 Schriftverkehr, S 1 le lo In lu lis lia ſis ſie ſr lu ſw Hondwertes. koſtet nur 30 Pfg Bed Magenta White 3/Color Black
Berichtigung.
3 Aufſatzes„Geduld“ in d. J. iſt Profeſſor Dr.7 ht Streiker, wie es infolg


