fühlte, dass der kleine Körper sich wieder zu beleben begann, stand sein Enzschluss fest: trotz der schönen Wartha würde er nicht seine Zelte in einer Gegend aufschlagen, in welcher im Januar selbst die hunde zu erfrieren drohen!
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éin gelblicher hebel stieg von der éisdecke empor. Rechts und links von dem Lastkahn, welchen die Kälte mitten auf der Fahrt tal⸗ abwärts überrascht hatte, knisterte das Eis, hin und wieder gab es auch einen lauten Rnall: die Kalte hatte einen Riss in die längs des Üifers angetriebenen Schollen gesprengt.
Der Schiffer Kajetan sass drunten in der sogenannten Kajüte, schob seinen Priem von einem Mundwinkel zum andern und starrte trübselig in die schwache Flamme der schwälenden petroleumlampe. Seine Frau schob einen hHolzklotz nach dem andern in den eisernen Ofen.
„hm, Frau“, meinte endlich Kajetan,„hätt's wirklich nicht geglaubt.. Jetzt liegen wir schon zwei Monate auf der Warthe— éin schlimmer Geselle dieser Januar.
Die Frau griff nach einem neuen Kloben holz.
„So eine grimme Kälte“, fuhr der Mann fort.„Die Sperlinge fallen ordentlich im Fluge aus der Tuft. Wein UVater erzählte mir aber auch schon von einem solchen Januar..., es war anno,— anno,— na, du weiss schon, anno dazumal, als du noch nicht geboren warst.“
Die Frau schürte unermüdlich die Ofenglut.
„Ja, weisst du“, erzählte Kajetan weiter,„damals war die Kälte so arg, dass von dem Schiffsbug die Bretter abgeschlagen worden sind, damit nur holz zur Feuerung vorhanden war. Mit Lastwagen fuhr man über die Warthe, das Eis war ellendick. Schon damals hiess es: so eines Januar können sich die ältesten Leute nicht entsinnen.“
Die Frau hüllte sich fester in ihr Uollentuch: ein Frostschauer durchbebte ihren schwachen Körper. Sie sann lange nach, dann hob sie die müden Hugen und fragte mit tonloser Stimme:„Uie verbrachte denn nun dein Uater diese kaltöden Winterabende?“
„Der?“ dehnte der Mann.„Uenn der gar nicht wusste, was er tun sollte, las er in der Bibel.“
éine lange pause...,„dann ſies mir auch'mal was aus der Bibel vor.“
Kajetan nahm das vergilbte zerlesene Buch. Er blätterte drinn mit seinen groben, vom Frost geröteten Fingern. Ein LZettelchen flatterte aus den Blättern empor. Die Frau griff es auf, brachte es zur Lampe und las:
„Das war eine böse Zeit. Drei Monat auf der Uarthe eingeeist. Da war der Rnecht an Land gegangen. Meine Frau hatte ihn erwarten wollen... Er kam aber nſcht... Da brachte man sie mir halb erforen auf den Rahn... Weshalb sie nur dem KRnecht nachgelaufen war... Das war im Januar...“
„Im Januar!“, stöhnte die Frau, legte mit zitternder hand das vergilbte Blatt auf den Cisch, warf einen angstvollen Blick auf ihren mann und machte sich dann wieder am Ofen zu schaffen.
Kajetan durchforschte mit seinen blöden Hugen das Blatt.„Im Januar 18..., achtzehnhundertzwei, oder soll's'ne drei sein? Ich, was,— so was gibt's heut' nicht mehr.“
AUnd er las ein Kapitel aus der Bibel. Die Frau schürte emsig die Glut. Trotzdem fröstelte sie erschauernd zusammen und einem Seufzer gleich kam es von ihren Lippen:„Im Januar 18...“
*.*
Im Winterkleide prangte dks Gebirgelchen, das sich längs der sächsisch⸗böhmischen Grenze hinzieht. Die Ruinen des Mönchsklosters auf dem historisch⸗ehrwürdigen Oybin hatten Schneehauben aufgesetzt und herab von der höhe des hain sausten die hörnerschlitten gen C(al.
„Hch“, kreischte Fräulein Alma, als der Zugwind ihren langen Zopf unter dem belzbarett hervorriss.
„hurrah, der Zopf gehört mir“, rief herr Fritz, der auf dem nächsten Schlitten hockte und lehnte sich auf die Schulter des Schlittenführers.
„Dee, junger herr, nee“, wehrte der ab,„su gieht doas nicht, doas müssen Se ok lassen, sunsten...“
Da kam die scharfe Kurve, welche der hHochwaldberg der Chaussee vorschreibt; der Führer des ersten Schlittens stemmte seine Stiefelabsätze mit aller Gewalt in die Geleise, dass der Schnee in hellen Wolken aufflog,— aber die Rurve konnte nicht mehr genommen werden, der Schlitten schoss in den Graben und Fräulein Hlma krabbelte jählings in einem Schneehaufen.
pardautz,—— der nächste Schlitten stiess auf das hindernis und Herr Fritz leistete der Dame Gesellschaft. Das mit den éltern beladene Gefährt kippte aus Mitgefühl auch am Strassenrande um.
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herr Fritz war als erster wieder auf den Beinen. Er szuberte Hlmas Zopf vom Schnee und flüsterte ihr bei dieser mühsamen Hrbeit in's Ohr:.
„Weisst du, daran warst du schuld. Hber warte, mir gehört jetzt nicht nur der Zopf, sondern auch das süsse Mädel, was an diesem hängt. Warte nur,—— im nächsten Januar!“
2 Die feindlichen Väter.
Erzählung von 6. Kettner, Malstatt.
EFortsetzung.)
Die beiden Backfische horchten angestrengt hinter der geschlossenen Cüre, um ja keinen Laut der hochinteressanten Uerhandlung ꝛu ver⸗ lieren. Sie wetteten noch schleunigst um eine TCafel Chokolade, ob Lotte nun grausam verstossen würde, wie die Grafentochter in ihrem Roman oder ob sie an gebrochenem herzen sterben müsse..
Die Einzige, die den dramatischen Uorgängen nicht das nötige Interesse entgegenbrachte, war pussy, die auf der Fensterbank sass und grämlich darüber philosophierte, warum nur die Menschen Glas an den Fenstern anbrächten. Uenn jetzt keine hindernden Scheiben im Uege gewesen wären, hätte sie so bequem von ihrem Sitz hinunterspringen können mitten in das Spatzenvolk hinein, das sich da so frech auf der Strasse herumtrieb.....
Drinnen im Zimmer stand indessen Lotte kampfesmutig vor dem zürnenden Uater. Zwar wie eine sünderin sah sie gar nicht aus, und wenn auch ihr herz klopfte, dass sie es bis in die Fingerspitzen spürte — sie hatte sich mit Würde und haltung gewappnet.
Stirnrunzelnd leitete der Uater jetzt die hochnotpeinliche Uerhand⸗ lung ein:„AlIso so sieht die Cochter aus, die hinter dem Rücken ihrer nichtsahnenden Eltern heimliche Zusammenkünfte hat mit jungen Wind⸗ beuteln.———
Lotte zuckte entrüstet zusammen. Ihr Max wurde„junger Wind⸗ beutel“ tituliert— das war doch einfach haarsträubend.
Solche rohen Uorte mussten ja jedes kindliche Gefühl untergraben! — Kber unentwegt fuhr der Uater fort, ihr eine Strafpredigt zu halten, so gediegen, als wollte er in dem handwerk zünftig werden.
Und wie auch seine sanfte kleine Frau, die all ihr Lebtag viel schweigen gemusst bei ihrem Eheherrn, unruhig auf ihrem Stuhle hin und herrückte und ihm bittende Blicke zuwarf, dass er es nicht gar zu arg mache— er störte sich nicht daran. Er redete sich im gegenteil immer mehr in die hitze hinein, als Lotte für ihren Liebsten eine Lanze brach und ihrem Uater eifrig beweisen wollte, welch prächtigen Charakter der Wax habe.
Über sie erreichte nur das Gegenteil, er wurde immer gereizter durch den Widerspruch und da schwieg sie mit anerkennenswerter Hus- dauer. Sie tat sogar noch ein üÜbriges. Um ihre Gedanken von ihres Uaters Schelten abzulenken, sagte sie krampfhaft leise das Hphabet von rückwärts auf,— ein für solche Fälle sehr empfehlenswertes Wittel.
hur halb hörte sie die Schlussworte: lch erkläre hiermit feierlich, dass du Max Wallner mit meiner Eéinwilligung nicht heiratest. Und die bekommst Du nie. Das ist ebenso ausgeschlossen, als dass ich selbst hingehen würde und den Alten drüben drum bitte, Dir und max seinen Segen zu geben.
Und dann entliess der Uater Lotte mit einer solch grossartigen Handbewegung, wie sie höchstens einer der römischen Kaiser, und der auch nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten fertig gebracht haben würde.
Lotte vergass ihre ganze Würde und schoss laut aufweinend hin⸗ aus. Sie machte nicht eher halt, bis sie den ganzen Garten durcheilt und die Laube erreſcht hatte, wo sie ungesehen sich ausweinen und ihren trüben Gedanken nachhängen konnte.— d
Dass sie auch soviel herzeleid durchmachen musste. Das wogen ja die paar heimlichen Küsse kaum auf! Und jetzt würde es noch spärlicher werden mit dem Zusammentreffen, denn der Uater wollte ihr ja aufpassen!
Aber sie liess doch nicht von Max. Fiel ihr gar nicht ein.
Was ging sie der Streit der Uäter an?— Und wenn nichts half, und sie gar nicht zusammen kommen konnten, da wollte sie den beiden Feinden etwas Schönes antun. Sie würde Wax vorschlagen, dass sie zusammen sterben wollten— dann würden die Uäter ja sehen, wozu ihr Streiten geführt.——
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