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Beiblatt zum„Kölner Tageblatt“(für bonnenten gratis.)
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GIESSEN. —— 1
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VI. Jahrgang
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(hachdruck verboten.)
wan mag darüber streiten, dass vielleicht ein anderer nebenfluss des Rheins an landschaftlichen Reizen reicher ist, als die Lahn, aber darüber wird kein Zweifel sein können, dass keiner sie an Reichtum geistigen Lebens übertrifft. Uo ist sonst ein hebenfluss des grossen Stroms, wo ist in Deutschland überhaupt ein Fluss, an dessen Lauf in solchem kleinen Raum die Geschichte und Intelligenz sich gleichsam
im RKeiche der Waffen und des Dissens betrat, sei es, dass er dort in einem der traulichen hHäuschen seine hHeimat weiss, wo seine Oiege stand.
In dem breiten Lahnbecken, dort wo der Caunus die Lahn zwingt aus der eingeschlagenen südlichen Richtung sich in einem Bogen nach Westen zu wenden, da, wo der Gesterwald von Dorden und Uesten her mit seinen äussersten Husläufern ihre lfer begleitet und die Berge
Giessen. Uom Curm des Korpshaus Starkenburgia.
zu einem goldenen horte auftürmen, wie an der Lahn? Zwei Musen⸗ städte glänzen mit ihren ruhmreichen Hamen in alle Welt, und wo man von Grosstaten des deutschen Geistes spricht, da darf Marburg und Giessen nicht vergessen werden.
nur wenige Stunden unterhalb Marburg, der jetzt preussischen Universität tritt die Lahn in das jetzt grossherzoglich hessische Gebiet und eilt an den Grundmauern der hochschule zu Giessen dahin, der schönen Stadt, die jedem, jedem unvergesslich bleibt, sei es, dass er als musensohn in den hörsälen lauschte und auf fröhlichen Fahrten sang, sei es, dass er als Wanderer diese Stätte altberühmter Geschlechter
des hinterlandes als bedeutende burgengeschmückte Kuppen ihr stolzes haupt erheben, wo die letzten Basaltberge des Uogelberges mit reich bewaldeten höhen bis in das Lahntal sich vorschieben, da liegt die alte hessische musenstadt Giessen, die wichtig emporstrebende haupt⸗ stadt des Grossherzogtums hessen, der Provinz Oberhessen. In dem ehemals sumpfigen Cerrain der Tahn und dem hier einmündenden Wieseckflüsschen wurden die Infänge der Stadt als Feste zum Schutze des Schiffenberges angelegt. Zu einer Zeit als Bonifatius, der Apostel der Deutschen, die hessengaue durchzog, die christliche Lehre zu ver⸗ kündigen, floss die Lahn noch durch Wälder, wo heut Giessen stehbt.


