Periodikum 
Rheinland in Wort und Bild : Beiblatt zum "Kölner Tageblatt"
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Entstehung
Köln Im Digitalisierungsprozess 6. Jahrgang, Nr. 3 (14. Januar 1906), 1901-1906
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hur in der hähe des heutigen Bahnhofs stand auf Bergeshöhe ein Dortf Selters, das uralten Ursprungs ist, da eine Ürkunde aus dem Jahre 775 diesen Ort bereits erwähnt. Huch die Burg Gleiberg bei Giessen ist älter als die Stadt; denn es gibt hachrichten, wonach sie im zehnten Jahrhundert erbaut worden ist. Die eigentlichen Ursprünge von Giessen selbst begannen mit der Gründung der Burg Gyezen durch die hHerren von Gleiberg zum Schutze des Klosters Schiffenberg, welches etwa zu gleicher Zeit mit dieser Burg entstand. Das Gründungsjahr fällt um die Zeit von 1130. n diese älteste Burg erinnert noch heut die in der Dähe der Stadtkirche gelegene Strasse, die der Burggraben heisst. Später entstand nach dieser ersten Burganlage eine Wasserburg. Dieser neubau gibt eine Ueranlassung, sich die Entwickelung des deutschen Burgbaus vor diesem Denkmal fitterlicher

Häufig wurde sie so angelegt, dass der Ingreiter beim Rufstieg die rechte, weil vom Schilde nicht gedeckte Seite der Mauer zuwenden musste, von der die Uerteidiger ihre Geschosse gegen ihn warfen. Um den Zutritt zur Burg möglichst zu erschweren, wurde eine Reihe von Sperr⸗ und Uerteidigungseinrichtungen vorgeschoben, welche sich zur sogenannten Uorburg entwickelten. Unmittelbar an dem halsgraben stand der Corturm, zu dem die Zugbrücke führte. Diese Uorburg war mit einer Ringmauer umgeben, die durchschnittlich 3 4 m hoch undh etwa l m dick ist. Sie hatte innen einen Uehrgang, auf dem die Uerteidiger standen. Durch eine besondere Corhalle gelangte man in die eigentliche hHof⸗ oder hauptburg, welche ein für sich abgeschlossenes Ganzes bildete. Dort lag der wichtigste Bau, der hauptturm oder Berg⸗

Zeiten und Sitten zu erinnern. Der mittel⸗ alterliche Burgbau geht nicht etwa auf römischen Ursprung zurück. Das römische Kastell, woraus man versucht sein könnte, die Entstehung der deutschen Burgen ab⸗ zuleiten ist rechteckig, wird von zwei Seiten rechtwinklig durchschnitten und hat vier Core. Diese Hnlage ist z. B. noch in köln deutlich sichtbar. Denn die Bonner Strasse und ihre direkte Uerlängerung am Khein⸗ ufer entlang nach Dorden ist die eine, die Hachenerstrasse und ihre östliche Uerlänge⸗ rung zum Rhein hin ist die andere der alten Römerstrasse und dem Bonner(or, der hohen pforte, dem Hachener und Deutzer Cor entsprachen etwa die 4 Core des alten Kastells Colonia. Die Burg dagegen hat eine unregelmässige Form; wird nur von einer Strasse durchzogen und hat dementsprechend nur einen Zugang. Dem romischen Kastell fehlt auch der einer Burg charakteristische, in der Mitte gelegene hauptturm. Die Burg ist vielmehr der durch Festungswerke gesicherte und erweiterte urgermanische Wohnsitz. hatürlich schliesst dies nicht aus, dass ein- zelne Wacht⸗ und Signalturmanlagen bei Inlage von Burgen aus der römischen Befestigungskunst übernommen wurden. Die älteste Form der Burg ist die sogenannte Uallburg, deren Schutzvorrichtungen in aufgeworfenen Erdwerken mit palissadendeckung bestanden. Der eigent⸗ liche Burgenbau beginnt erst in der Zeit der Ottonen und der Salier, d. h. im zehnten und elften Jahrhundert, weil in dieser Epoche der Steinbau wieder belebt wurde. hach ihrer Lage lassen sich die Burgen

Giessen. Universitätsbibliothek. in zwei Klassen einteilen, in die höhenburg und in die(ief⸗ oder Wasserburg. Da bei Anlage einer höhenburg man vor allem darauf

bedacht war, dass ein etwaiger Ingriff nur von einer bestimmten Seite aus erfolgen konnte, so wurde die Burg gewöhnlich auf einer vom Berg massiv vorspringenden und steil abfallenden Felsnase errichtet. War die Felsnase gegen das Massiv nicht durch eine éinsattelung ge⸗ trennt, so wurde ein besonderer, sehr tiefer Graben, der sogenannte Halsgraben gezogen. Manchmal umgab die ganze Burg ein Ringgraben, der mitunter mit Wasser angefüllt war. Zu ihr führte die Burgstrasse. Sie war meistens sehr schmal, und bot oft nur Raum für einen Reiter.

Giessen. heue Universität.

fried, d. h. Wart⸗ oder Belagerungsturm, der dem Burgherrn ꝛur letzten Zufluchtsstätte dienen sollte. Er ist der bschluss der Verteidigungs⸗ werke, die alle nur den Zweck haben, die Angreifer möglichst lange aufzuhalten, bis Ersatz die Rettung für die éingeschlossenen bringt. Zu der hauptburg gehören noch die grossen Wohnhäuser, der balas, die Kemenate, der Speise⸗ und Hufenthaltsraum für das hofgesinde. marstall und Garten, Kapelle und Ziehbrunnen machen die weiteren wichtigeren Bestandteile der Burg aus. die Gegend bei Giessen und das ganze Lahntai auf.

Die Tief⸗ oder Wasserburg, nach deren System die spätere Burg in Giessen erbaut wurde, hat ihren hNamen gleichfalls von ihrer Lage. sie liegt hier auf einer Insel, dort auf einem halbinselartigen Uorsprung des UÜfers oder der Küste, wo dann die etwa vorhandene Landenge qurchstochen wurde. Die in der Ebene liegenden oft auf einem künst⸗ lichen hügel errichteten Cietburgen umgab man mit einem breiten Wassergraben. Besonders gern legte man sie in morastischem Gelände

an, weil dann nur dem Rundigen der Zugang zur Burg ungefährlich

war. Die ehemalige Wasserburg in Giessen ist an ihren Resten noch zu erkennen, die Umrisse, der Bergfried sind noch gut erhalten, aber das Innere ist infolge häufiger Umbauten verschwunden.

Um 1260 wurde Giessen mit hessen vereinigt. In jenen kriege⸗ rischen Zeiten des Faustrechts fanden schon Insiedelungen in dem Orte statt, die unter den mauern der Burg Schutz suchten. Namentlich als eine Fehde zwischen hessen und hassau ausbrach, kamen viele Flüchtlinge und bauten sich zwischen dem alten Orte Giessen und der Lahn an. Sie stammten meist aus den umſiegenden Orten, die in der blutigen Fehde für immer in Flammen aufgingen und nie wieder aus der Ische erstanden.

éinen bedeutenden Hufschwung nahm die Stadt in der Regierungs⸗ zeit philipps des Grossmütigen, der im sechszehnten Jahrhundert lebte und die bis dahin nur schwach befestigte Stadt durch eine verstärkte Befestigung mittels Wall und Graben sicherte. Er selbst nahm seinen sitz in Giessen und führte dort wie ganz hessen die Reformation ein. Hllein schon gleich nach der Schlacht bei mühldorf(1547), in welcher Kaiser Karl V. die Cruppen des schmalkaldischen Bundes unter ihrem gleichfalls reformatorisch gesinnten Führer, dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, besiegte und in deren Gefolge Philipp von hessen nach seiner eigenen Unterwerfung in Gefangenschaft gesetzt wurde, erfolgte die Schleifung der Festungswerke, mit der durch kaiserlichen Befehl der graf Solms beauftragt worden war. hur wenige Geschütze konnten vorher nach dem Orte Ziegenhain in Sicherheit gebracht werden. Nach seiner Freilassung infolge des Ingriffs des herzogs Moriz von Sachsen auf den Kaiser Karl V. ordnete der Landgraf Philipp die sofortige Wiederherstellung der niedergelegten Festungswerke an. Seine hach⸗ folger setzten diese hHeubefestigung der Stadt zum Zwecke erhöhter

Beispiele dieser Burgen weist