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Meyer. Und wenn er einer höheren Gewalt weichen muß; ein Mann von ſeiner Begabung geht nicht zu Grund. Über ſein Shakeſpearelexikon habe ich neulich eine Kritik in einer engliſchen Wochenſchrift geleſen. Darin wird unſer Direktor gradezu als der erſte lebende Shakeſpearekenner be⸗ zeichnet.
Friedrich. Die Frau wird ihn ruinieren.
Sellmann. Wiſſen Sie denn überhaupt, meine Herren was Direktor Schmidt für ein Mann iſt? Wir können von ihm doch nicht wie von einem gewöhnlichen Schul— pauker reden, von dem zwölf auf ein Dutzend gehen. Er kann das Gymnaſium entbehren, aber das Gymnaſium nicht ihn, denn er iſt eine Zierde unſers ganzen Lehrer⸗ kollegiums, eine Leuchte der Wiſſenſchaft. Direktor Schmidt iſt als Gelehrter ein Mann von europäiſchem Ruf. Das wird überall anerkannt, nur merkwürdiger Weiſe hier nicht, wo wir uns an den Früchten ſeines Geiſtes, an ſeiner menſchlichen Güte täglich eioge Grade die Kreaturen, die er gemacht hat, wenden ſich tückiſch von ihm ab. Wenn ich daran denke ſteigt die Galle in mir auf und ich möchte ſolche Geſchöpfe...(Auf Becker und Hippler zugehend.)
Meyer. Still! Sie kommen!
Vierter Auftritt.
Vorige. Dubois. Schulrat von Leuwardt l(alter vornehmer Herr. Draußen an der Thür der Pedell).
Leuwardt. Guten Tag, meine Herrn. Dubois. Geſtatten Sie, Herr Schulrat.. (Will vorſtellen.)
Leuwardt. O, ich kenne die Herrn ja von der letzten Prüfung. Es iſt eine ſehr betrübende Angelegenheit, die mich ſo unerwartet hierhergeführt hat. Ich erwarte von dem guten Geiſt, der dieſe Anſtalt bisher immer beſeelt hat, daß ſie auch dieſen Schlag ohne ernſten Schaden überwinden wird. (Zu Dubois.) Ich habe den Staatsanwalt nicht getroffen.


