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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Sellmann. Ich freue mich, daß Sie nicht darüber zu entſcheiden haben.

Becker. Und mir gewährt es eine große Beruhigung, im Provinzialſchulkollegium Männer zu wiſſen, von denen man ein klares, beſonnenes Urteil erwarten kann.

Hippler. Sein Verdienſt wird ihm darum niemand ſchmälern. Er war nicht der Schlechteſte.

Sellmann. Wollen Sie ihm ſchon die Leichenrede halten?

Meyer. Unſer Gymnaſium kann ſtolz auf dieſen Chef ſein.

Sellmann. Er hat einen neuen Geiſt in dieſe Anſtalt gebracht.

Friedrich. Ich weiß nicht, mir gefällt dieſer Geiſt gar nicht.

Sellmann. Nun, man kann da verſchiedener Anſicht ſein.

Meyer. Gewiß, es giebt immer Leute, die dem Rück ſchritt huldigen.

Sellmann. Was früher hier für Zuſtände waren, davon ſprechen die Herren nicht. Es war eine koloſſale Aufgabe für den Direktor, hier Wandel zu ſchaffen. Dazu war über⸗ haupt nur ein Erzieher von ſeiner eminenten Fähigkeit im⸗ ſtande.

Meyer. Ja, der Direktor hielt die Zügel ſtraff. Das macht ihm auf dieſem Gymnaſium ſo leicht keiner nach.

Sellmann. Jetzt verlaſſen die Ratten das ſinkende Schiff.

Friedrich. Herr Kollege, Sie werden beleidigend.

Becker. Meine Herren, ich ermahne Sie zur Eintracht. Der Oberſchulrat ſteht ſozuſagen, vor der Thüre. Sie werden es noch dahin bringen, daß das ganze Gymnaſium auffliegt.

Hippler. Ich habe auch das Gefühl, daß wir auf einem Vulkan ſitzen.

Sellmann. Sprechen Sie im Plural Majeſtatis, Herr Kollege?

Hippler. Sie ſind überhaupt Luft für mich......

Sellmann. Das Recht der freien Diskuſſion wird ſich kein Lehrerkollegium nehmen laſſen. Aber daß der erbärm⸗ lichſte Klatſch hier bei uns Eingang findet, das iſt höchſt traurig. Der Direktor ſteht turmhoch über allen Anfein⸗ dungen. Wie ein Mann mußte das Kolleg für ihn eintreten.