Druckschrift 
Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen

61

Becker. Das entſchuldigt aber doch den Streich Ihres Sohnes nicht.

Sonnenberg. Na, mir begegnete heute früh der Ober⸗ amtsrichter.

Meyer. Haben Sie ihn geſprochen?

Sonnenberg. Neeo, ich grüßte ihn. Er ſagte:Juten Morgen!

Meyer. Weiter nichts?

Sonnenberg. Nee. Aber in demjuten Morjen lag etwas....

Becker. Was denn?

Sonnenberg. Na, ſo'n Mann kann ja auch nich immer, wie er will. Aber ſagen wollt er: Sonnenberg, Ihr Junge is verführt worden.

Becker. Ich will Ihnen den Glauben nicht nehmen.

Sonnenberg. Der Junge iſt von guter Art. Ich kenne mein Blut. Wenn dem Jungen ein Haar gekrümmt wird, ich gehe bis zum König!

Hippler. Das bleibt Ihnen unbenommen, aber jetzt...

Sonnenberg. Und das wollte ich gerade dem Herrn Schulrat ſagen. Ich habe auch meine Beziehungen und da werde ich mal en bißchen aus der Schule plaudern, was das hier für Zuſtände ſind. In der Klaſſe geht alles nach Gunſt. Die Weiber pouſſieren die Herren Lehrer. Der Direktor fängt mit der Tillmann ein Verhältnis an. Und der Mann hetzt mir die Polizei auf'n Hals. Der ſoll man erſt den Schmutz vor ſeiner eigenen Thür wegkehren. Wie geſagt, meine Herrn, ich gehe bis zum König. Empfehl' mich!(Ab).

Dritter Auftritt. Vorige, ohne Sonnenberg.

Becker. Sie ſehen, es hat gar keinen Zweck, ſich hier pro oder contra zu ereifern. Den Direktor mögen die edelſten Motive geleitet haben. Als Bräutigam der Frau Tillmann, als Verteidiger ihres Sohnes, iſt er als Gymnaſialdirektor unmöglich. Volkes Stimme, Gottes Stimme!