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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Becker. Und Sie wünſchten?

Sonnenberg. Ich möchte den Herrn Schulrat ſprechen.

Becker. Das wird Ihnen ſchwerlich gelingen.

Sonnenberg. Ich bitte aber dringend darum.

Becker. Der Herr Geheimrat iſt den ganzen Tag be⸗ ſchäftigt. Er empfängt abſolut niemand. Und heute abend reiſt er wieder ab.

Sonnenberg. Na, es läßt ſich vielleicht aber doch machen. Legen Sie'n gutes Wort für mich ein.

Hippler. Was haben Sie denn?

Sonnenberg. Herrjemerſch, ich bin ja außer mir. Meinen Sohn will ich frei haben.

Becker. Und dazu ſoll Ihnen der Herr Geheimrat be⸗ hülflich ſein? Das iſt doch lediglich Sache des Gerichts. Wenden Sie ſich dorthin.

Sonnenberg. Die Polizei hat mich ſozuſagen überrumpelt. Hätte mir der Lotterbube nur einen Ton geſagt. Ich hätte ihn weggeſchafft, ſo wahr ich Sonnenberg heiße!

Sellmann. Das wäre Ihnen ſehr übel bekommen.

Sonnenberg. Na, is denn mein Paul nich etwa ver⸗ führt worden? Von dem Lauſejungen Tillmann?

Becker. Es wird gerade das Gegenteil behauptet. Aber wenn Sie das ſo genau wiſſen, laſſen Sie doch die Dinge ruhig an ſich herankommen.

Sonnenberg. Alle Haare möchte ich mir ausraufen. Mein ehrlicher Name! Meine Frau ſtammt aus eine hoch⸗ jebildete Familie. Und ich bin 25 Jahre Armeelieferant. Das will was heißen. Un mein Junge ſitzt! Nee ſo was, nee ſo was.

Sellmann. Es iſt ja ſehr ſchlimm für Sie. Aber meiner Anſicht nach iſt jeder Schritt, den Sie jetzt unternehmen, vergeblich. Alſo beruhigen Sie ſich.

Sonnenberg. Nee, ich beruhige mich nich. Der Junge is verführt worden.

Hippler. Das wird ſich bei der Verhandlung heraus⸗ ſtellen.

Sonnenberg. Ich bitte Ihnen. Die Tillmanns, ſo'ne Lumpenfamilie! Der Alte hat in die Steuerkaſſe gegriffen. Der Sohn ſetzt das Geſchäft mit ungeſchwächten Kräften fort.