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Dubois. Um dieſe Zeit iſt er ſonſt ſtets auf ſeinem Bureau. Er muß eine at u Abhaltung haben.
Leuwardt. Ich werde gegen Abend nochmals zu ihm gehen.
Dubois. Der Vorſicht halber ſchicke ich vorher den Schul⸗ diener hin, damit Sie ihn nicht verfehlen, Herr Geheimerat.
Leuwardt. Sagen Sie, Herr Oberlehrer. Die Polizei iſt verhältnismäßig ſpät eingeſchritten?
Dubois. Sie war vorſichtig. Geſtern iſt Brinkmeier vernommen worden. Heute früh wurden Tillmann und Sonnenberg verhaftet.
Leuwardt. Steht der Direktor ſchon lange in Beziehungen zu Frau Tillmann?
3 Dubois. Soviel ich erfahren konnte, erſt ganz kurze eit.
Leuwardt. Unglaublich! Wie konnte er ſich mit der Frau einlaſſen.(Pauſe.) Ich bin alt und grau im Amt geworden. Das hab' ich noch nicht erlebt.(Pauſe.) Dazu kommt der bedauerliche Präcedenzfall. Und der Fall Fuchs iſt in ſeiner Art nicht ſo kraß.
Becker. Wir werden allerdings zu thun haben, die Scharte auszuwetzen.
Leuwardt. Die Sache iſt ſtadtkundig, das iſt ſehr be⸗ denklich. Die Autorität des Aehrerkolleums kriegt einen derben Stoß. Die Eltern werden mit Recht Bedenken tragen, dieſem Gymnaſium ihre Kinder anzuvertrauen.
Sellmann. Herr Geheimerat, wir bedauern den Vorfall aufs tiefſte, der Direktor hatte auf ſeinem Feld ein Falken⸗ auge. Ihm entging nichts.
Leuwardt. Er war gefürchtet—
Sellmann. Nein, er war nur gerecht.
Leuwardt. Standen Sie ihm näher.
Sellmann. Ich habe geſellſchaftlich nie mit ihm ver⸗ kehrt.
Leuwardt. Neben ſeinem Amt war er vieffach litterariſch thätig.
Sellmann Seine Kraft war unſchätzbar. Sein ganzes Leben war eigentlich nur Arbeit.
Leuwardt. Darum lebte er ſo zurückgezogen?
Dubois. Ja und das war vielleicht ſein Unglück—


