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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
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Fuchs. Das mag bei Ihnen zutreffen, Herr Direktor, bei mir nicht. Ihr Leben ſpielt ſich auf dem Katheder und in der Stube des Gelehrten ab. Aber ich bin noch jung, ich fühle, wie mir das Blut heiß in den Adern rollt, wie mir jede Stunde, die alte horaziſche Weisheit zuflüſtert: Pflücke den Tag!(In Ekſtaſe.) O, wenn Sie wüßten, was es heißt, ein Weib zu beſitzen, das einen verſteht, das mit einem fühlt und denkt.

Direktor. Sie lieben jene Frau?

Fuchs. Unſere Beziehungen ſind durch meine plötzliche Entlaſſung und den Stadtklatſch an die Offentlichkeit gezerrt worden. Ich erwarte jede Stunde die Rückkehr des Herrn Brand. Ich werde mich mit ihm auseinander ſetzen müſſen. Aber wie ich den Knoten, der ſich um mich geſchlungen hat, löſen ſoll, weiß ich nicht. Ich bin auf das Außerſte gefaßt. Ich fühle, wie mir der Boden unter den Füßen fortgezogen worden iſt. Ich werde zu Grunde gehen. Aber freilich Sie werden das nicht verſtehen.

Direktor(der das Vorige wie betäubt angehört hat, plötzlich auf⸗ fahrend). Ich?

Fuchs(feierlich dumpf). Sie haben mich gerichtet, Herr Direktor, möge an Ihnen nicht Gleiches mit Gleichem ver⸗ golten werden.(Ab.)

Direktor(blickt ihm nach). Gleiches mit Gleichem!(Fährt ſich mit der Hand übers Geſicht, als verſcheuche er einen trüben Gedanken, beugt ſich dann über die Papiere auf ſeinem Pult.)

Dritter Auftritt. Voriger. Schuldiener Friebel.

Friebel. Herr Drekter, der Gaſtwirt Brinkmeier wünſcht Sie zu ſprechen..

Direktor. Was will der Mann?

Friebel. Ich weiß nicht, Herr Drekter.

Direktor. Er ſoll wiederkommen. Ich habe jetzt keine

Zeit.