Druckschrift 
Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen

43

Hippler. Nach den Mitteilungen des Herrn Direktors möchte ich doch nicht ſo ohne weiteres den Stab über ihn brechen. Sicher ſpricht viel zu ſeinen Gunſten.

Friedrich. Hat er denn keine Angehörigen hier?

Direktor. Gewiß, ſeine Mutter. Gerade ſie würde es am ſchwerſten treffen, wenn ihr Sohn ein Jahr zurückbleibt.

Dubois. Herr Direktor, wünſchen Sie, daß wir hier darauf Rückſicht nehmen?

Direktor. Selbſtverſtändlich nicht ohne weiteres! Ich führe das nur zur Charakteriſtik des Falles an. Frau Tillmann hat ihr trauriges Los nicht verſchuldet. Wenn es irgend geht, erſpart man ihr eine neue Kränkung.

Dubois. Es handelt ſich doch um den Sohn, Herr Direktor.

Direktor(leidenſchaftlich). Und wenn was den Sohn trifft, trifft die Mutter doppelt.(Steht auf.)

Dubois. Ich bedaure, Herr Direktor, ich ſchließe mich Ihrer Anſicht nicht an. Ich kann grundſätzlich Tillmanns Verſetzung nicht befürworten.

Direktor. Wir ſtimmen ab, meine Herren.(dafür: Sellmann, Meyer, Friedrich, dagegen die anderen). Drei Stimmen dafür, drei dagegen. Alſo Stimmengleichheit. Ich gebe mein Votum zu Gunſten Tillmanns ab. Er wird verſetzt. Damit ſind wir fertig. Die Abiturienten werden uns Sonnabend beſchäftigen. Ich danke Ihnen, meine Herren.

Dubois(während des Abgehens zu Hippler). In Bezug auf Tillmann iſt unſer Direktor wie vernagelt. Er redet ſich da in eine Voreingenommenheit hinein, die mir unbegreiflich iſt.

Hippler(leiſe. Cherchez la femme.

Dubois. Meinen Sie?(Fuchs durch die Mitte eintretend.)

Hippler(zuckt mit den Achſeln).

Dubois. Dort kommt das Opferlamm, um ſich die Schlachtbank zu beſehen.

Hippler. Sie meinen den entlaſſenen Fuchs? Gehen wir ihm lieber aus dem Wege.(Mit den anderen Lehrern ab.)

Die Lehrer. Herr Direktor ſſich verbeugend).