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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Meinungen der Schulmänner auseinandergehen. Das macht uns zur ſtrengen Pflicht, an jeden Fall sine ira et studio heranzutreten. Perſönliche Motive kommen gar nicht in Betracht. Wir haben rein ſachlich zu urteilen. Jedenfalls iſt den Herren Kollegen Dubois und Hippler Rechnung zu tragen.

Dubois. Ich rüge bei Tillmann am meiſſtn ſeine grenzenloſe Zerfahrenheit und ſeinen Mangel an Offen⸗ heit.

Meyer. Tillmann iſt allerdings unberechenbar. Manch⸗ mal arbeitet er ganz brav. Plötzlich ſchlägt der Wind bei ihm um. Er wird träg und teilnahmlos. Und dann iſt nichts mit ihm anzufangen.

Friedrich. Ich bedaure oft bei ihm, daß die Prügel⸗ ſtrafe abgeſchafft iſt.

Hippler. Tillmann faßt leicht. Er weiß auch etwas. Aber wenn es ihm einfällt, verweigert er die Antwort. Ich werde nicht klug daraus.

Dubois. Jedenfalls iſt es ſehr zweifelhaft, ob wir ihn verſetzen können.

Direktor. Bei mir hat er zwei gute Extemporalien ge⸗ ſchrieben. Ich denke anders über den Fall. Sie wiſſen das wohl kaum. Tillmanns Vater war Steuerkommiſſar. Er unterſchlug Gelder und wurde in Haft genommen. Im Gefängnis gab er ſich ſelbſt den Tod.

Dußbois. Ich wußte das...

Direktor. Ja, das ſpricht hier doch ſehr mit. Der Junge ſteht ſeit Jahren unter dem Druck dieſer Kataſtrophe. Offenbar hat ſein Entwicklungsgang darunter gelitten. Und mir erklärt das alles.

Hippler(einlenkend). Allerdings.

Dubois. Ich halte ihn nicht für pſychiſch belaſtet, Herr Direktor.

Direktor. Sie werden ihre Meinung vielleicht noch ändern. Mir iſt dann zu Ohren gekommen, Tillmann iſt ſeines Vaters wegen in brutaler Weiſe von ſeinen Mitſchülern beſchimpft worden.

Dubois. Ich gebe das zu. Aber ich habe Tillmann ſo lange beobachtet, ich halte ihn für einen ganz durchtriebenen Burſchen.