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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Becker. Er hat kein lateiniſches Extemporale ohne 10 20 Fehler abgeliefert.

Hippler. Und im Griechiſchen waren ſeine Leiſtungen unter aller Kritik.

Sellmann. Ich kann nur wiederholen: bei mir hat ſich Sonnenberg tüchtig und fähig gezeigt.

Direktor. Wir können ihn aber nicht verſetzen. Seine Cenſuren in den übrigen Hauptfächern ſind zu ſchlecht.

Friedrich(wie vorher). In der Religion konnte ich ihm die Noterecht ſehr erfreulich geben.

Hippler. Wie geſagt, im Griechiſchen...

Direktor. Auch ein Kompromiß iſt da unmöglich. Wir wollen abſtimmen. Vier Stimmen dagegen, zwei dafür. Bleibt ein Jahr zurück. Wir kommen zur Unterprima. Herr Oberlehrer Dubois, bitte.

Dubois(wieder am Tiſch). Ich habe nur zwei Dubioſen. Tillmann wird in allen Realfächern genügend bis gut cenſiert. In den alten Sprachen lautet dagegen das Zeugnis kaum genügend und ungenügend.

Meyer. Im Franzöſiſchen und Engliſchen zeichnet er ſich durch grammatikaliſche Kenntniſſe und gute Ausſprache aus.

Hippler. Im Griechiſchen glänzt er fortwährend durch fabelhafte Unwiſſenheit.

Dubois. Vom Lateiniſchen kann ich das nur beſtätigen.

Sellmann. In der Mathematik hat Tillmann großen Eifer und rühmlichen Fleiß gezeigt. In der Phyſik iſt er mein beſter Schüler.

Dubois. Das wundert mich garnicht. Ihre Cenſur, Herr Kollege Sellmann, kontraſtiert faſt überall mit der meinigen und mit der des Kollegen Hippler.

Hippler. Der Herr Kollege Sellmann möchte lieber heute als morgen die Humaniora aus dem Lehrplan ſtreichen.

Direktor(begütigend). Aber meine Herren

Sellmann. Ich bin nur der Anſicht, daß es Aufgabe unſerer Anſtalt ſei, die Schüler nicht zu Griechen und Römern, ſondern zu deutſchen Männern zu erziehen.

(Meyer nickt beifällig. Dubois und Hippler lachen.)

Direktor. Vergeſſen Sie eins nicht. Wir ſtehen mitten

in einer Übergangsepoche. Sie wiſſen, wie weit die