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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Frau Tillmann. Sie wollen mich in meinem Unglück tröſten.

Direktor. Aber nur durch die Wahrheit. Sehen Sie die ſelbſt nach, was Ihr Sohn in dieſem Augenblick macht.

Frau Tillmann. Ich ſollte.

Direktor(geht an die Thür links). Die Jungen ſprechen eifrig mit einander, ich höre das Klopfen des Hammers, das Raſſeln der Feile. Sicherlich iſt Ihr Sohn wieder mit einer nützlichen praktiſchen Thätigkeit beſchäftigt. Darauf ſetze ich für ſeine Zukunft meine ganze Hoffnung. Glauben Sie mir, Ihre Lage iſt keineswegs ſo verzweifelt, wie Sie fürchten. Wir können durch Gegenkräfte wieder gut machen, was das Blut des Vaters möglicherweiſe geſündigt hat. Zu ſolchen Gegenkräften rechne ich vor allem die volle körperliche, geiſtige und ſittliche Geſundheit des andern Elternteils. Frau Tillmann, Sie ſtehen vor mir in der vollen Blüte weiblicher Schönheit und Anmut....... (Pauſe, ſich faſſend.) Ich bitte Sie, hegen Sie Vertrauen, faſſen Sie Mut, ſehen Sie Ihrer und Ihres Kindes Zu⸗ kunft getroſt entgegen.

Frau Tillmann. Aber wie kann ich das thun?

Direktor. Laſſen Sie die Häuslichkeit auf Robert wirken, überwachen Sie ihn auch in Zukunft liebevoll. Und wenn Sie wünſchen, will ich Sie darin unter⸗ ſtützen.

Frau Tillmann(mit Wärme). Ihre Güte beſchämt mich.

Direktor. Ich darf es Ihnen jetzt wohl ſagen. Ihr Schickſal hat mich tief ergriffen und bewegt.

Frau Tillmann ſſenkt gerührt den Kopf).

Direktor. Sie haben ſo viel Trübes erfahren. Und Sie ſind noch ſo jung. Bei Gott, Sie müſſen wieder froh werden.

Frau Tillmann. Faſt möchte ich ſagen, ich bin es ſchon in dieſem Augenblick(verſucht zu lächeln).

Direktor. Die Menſchen haben an Ihnen viel gut zu⸗ machen. Das können Sie als Ihr Recht fordern.

Frau Tillmann. Sie müſſen ein guter Menſch ſein, daß Sie ſo zu mir ſprechen.

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